Montag, 19. November 2018
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Schallschutz leicht gemacht - Teil 2

Im ersten Teil zum Thema Schallschutz wurden Grundlagen vermittelt. Nun liegt im zweiten Teil der Schwerpunkt im Bereich von Mess- und Prüfsystemen.

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Eine schalltechnische Überprüfung des Bauwerkes ist empfehlenswert, wenn die bauseitigen Anforderungen durch haustechnische Anlagen nicht erfüllt werden Erfahrungsgemäß wird bei Unstimmigkeiten zwischen Aufzugfirmen und Auftraggeber (Arbeitgeber/Betreiber) nur der Schalldruck in schutzbedürftigen Räumen gemessen. Eine Überprüfung des Bau-Schalldämm-Maßes mit einem Dodekaeder-Lautsprecher und eine Überprüfung ob Schallbrücken zwischen Aufzugschacht und schutzbedürftigem Raum bestehen, werden selten durchgeführt. Mit einem Kleinhammerwerk nach Gösele kann aber schnell und zuverlässig geprüft werden, ob eine Körperschallübertragung zwischen schutzbedürftigen Raum und Aufzugschacht erfolgt.

Spezielle Mess- und Prüfmittel für Aufzuganlagen

Auf der Aufzugseite muss geklärt werden welcher Luftschall im Schacht emittiert wird und welche Beschleunigungen und welcher Körperschall durch die Aufzuganlage und deren Komponenten in die Schachtwand übertragen werden. Bei Aufzuganlagen ohne Triebwerksraum, ist der Körperschall eine signifikante Einflussgröße bei der Erzeugung von Luftschall in schutzbedürftigen Räumen.

Es gibt spezielle Mess- und Prüfmittel für Aufzuganlagen am Markt: Systeme zur Feststellung der Fahrqualität, des Energiebedarfes, der Netzqualität, der Tragmittelspannung, der Druckmessung und der Messung von Luft- und Körperschall. Neben den speziellen Mess-Systemen die für den Aufzugbau entwickelt oder angepasst wurden, gibt es Mess-Systeme die vor allem in der Industrie zur Anwendung kommen – auch im Bereich der Aufzugtechnik. Energiemesstechnik, Netzqualität, Luft- und Körperschall sind keine speziellen Mess-Systeme für die Aufzuganlage, sind aber zur Qualitätsfeststellung und Fehlersuche erforderlich.

Messwerte reproduzierbar

HandwerkMess- und Prüfmittel und deren Software müssen den einschlägigen Normen entsprechen und in festgelegten Abständen kalibriert oder geeicht werden. Bei Messungen von Luftschall muss das komplette Mess-System bestehend aus Mikrophon, Verbindungsleitung und Auswerteeinheit vor jedem und nach jedem Messzyklus mit einem geeichten Schallkalibrator geprüft werden.

Messungen mit kalibrierten oder geeichten Mess- und Prüfmitteln gewährleisten, dass Messwerte reproduzierbar sind und in den Normen festgelegten Messtoleranzen entsprechen. Die sachgerechte Handhabung der Mess- und Prüfmittel und der Einsatz bei vergleichbaren Umweltbedingungen gewährleisten, dass die Messergebnisse vergleichbar und reproduzierbar sind.

Mess- und Prüfmittel zur Datenermittlung

Ein Schallpegelmesser ist eine Kombination eines Mikrofons mit einem Vorverstärker, einem Signalprozessor und einer Anzeigevorrichtung. Die in Norm DIN EN 61672-1 getroffenen Festlegungen von Eigenschaften gelten für alle Ausführungen von Mikrofon und Vorverstärker, die für einen Schallpegelmesser geeignet sind.

Ein Mikrofon ist ein elektroakustischer Wandler, der akustische Schwingungen in elektrische Signale umwandelt. DIN EN 61094-6, Messmikrofone — Teil 6: Elektrostatische Anregeelektroden zur Ermittlung des Frequenzgangs.

Schallkalibrator muss eichfähig sein

Vor jedem Messzyklus und nach jedem Messzyklus muss das Mess-System, bestehend aus Schallpegelmesser und Mikrofon mit einem Schallkalibrator überprüft werden. Für die Überprüfung des kompletten Mess-Systems muss ein Schallkalibrator der Klasse 1 nach IEC 60942 verwendet werden. Der Schallkalibrator muss eichfähig sein mit einem entsprechenden Eichzertifikat.

HandwerkDodekaeder Lautsprecher müssen folgende Normen erfüllen: ISO 140-3 Anhang C (Labormessungen), ISO 140-4 Anhang A (Messungen am Bau) und ISO 3382 Anhang A (Nachhallzeitmessungen). Dodekaeder-Lautsprecher sind notwendig, um das Schalldämm-Maß von Wand und Schachtwand zu ermitteln.

Beschleunigungsaufnehmer ist notwendig

Das Kleinhammerwerk-System Gösele ist ein Körperschall-Sender wie das Norm-Hammerwerk, das auf dem periodischen Stoß einer bewegten Masse beruht. Abweichend vom Norm-Hammerwerk ist es in erster Linie als Anregung für andere Bauteile, nämlich Wände, Antriebsrahmen, Schienenbügel und in der Maschinenbauindustrie gedacht. Während beim Norm-Hammerwerk die Schwerkraft zur Beschleunigung der stoßenden Hämmer benutzt wird, ist es beim Kleinhammerwerk-System Gösele eine elektrodynamische Kraft, die durch periodische Gleichstrom-Impulse erzeugt wird.

Auch ein Beschleunigungsaufnehmer ist notwendig. Die verbreitetste Messgröße für mechanische Schwingungen ist die Schwingbeschleunigung. Sie hat die SI-Einheit m/s². Häufig wird auch die Gravitationsbeschleunigung (g) verwendet. 1 g entspricht etwa 9,81 m/s². Für einige Anwendungen, z.B. in der Maschinenüberwachung, eignen sich die Schwinggeschwindigkeit (mm/s) oder der Schwingweg (µm, mm).

Von Ulrich Nees

Schallschutz leicht gemacht - Teil 1

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