Dienstag, 21. August 2018
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Der Aufzug ist der Star

Kaum ein Blockbuster kommt ohne eine Szene im Aufzug aus, in einigen Filmen ist er sogar der eigentliche Star.

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Auch im neusten Film Star Wars-Film "Die letzten Jedi" spielt der Aufzug mit. Der Film ist seit 26. April auf DVD und Blu-ray erhältlich. (Foto: © Lucasfilm Ltd. & ™)

Der Aufzug hat in vielen Filmproduktionen seinen Auftritt: Eine Anfrage bei der Filmdatenbank "Internet Movie Data Base" unter dem Stichwort ergibt 1.615 Treffer. Dem innigen Verhältnis zwischen Film und Aufzug hat das Webmagazin "Blow up" des Fernsehsenders Arte gar ein eigenes Special gewidmet.

Von François Truffauts Nouvelle Vague-Klassiker "Die süße Haut" über Kultfilme wie "Blues Brothers" und Action-Spektakel wie "Stirb langsam – Jetzt erst recht" bis hin zu Perlen des Independent-Kinos wie "Lost in Translation" reicht die Bandbreite der gezeigten Filmschnipsel. Auch neuere Blockbuster wie die Marvel-Verfilmung "Black Panther" oder die "Star Wars"-Saga kommen nicht ohne Aufzug aus.

Enge, Abgeschlossenheit und erzwungene Nähe

Was macht ihn so reizvoll für den Film? Wenn sich die Aufzugtüren öffnen wie Theater- oder Kinovorhänge, gewähren sie Einblick in Tief- und Höhepunkte des Lebens – auf engstem Raum verdichtet. Hier wird gekämpft, geliebt, gebeichtet und gemordet.

Enge, Abgeschlossenheit und erzwungene Nähe laden ein zu Grenzüberschreitungen. Jack Lemmon schmachtet hier in Billy Wilders "Das Apartment" Liftgirl Shirley McLane an, Joseph Gordon-Levitt verfällt Zooey Deschanel in der Komödie "(500) Days of Summer".

Ryan Gosling und Carey Muligan tauschen in "Drive" einen der poetischsten Leinwandküsse aus, während sich Michael Douglas und Glenn Close in "Eine verhängnisvolle Affäre" oder Dakota Johnson und Jamie Dornan in "Fifty Shades of Grey" ungezügelt ihrer Leidenschaft hingeben und den Tabubruch genießen.

Gesellschaftlicher Auf- und Abstieg

HandwerkDer Aufzug kann gesellschaftlichen Auf- und Abstieg signalisieren, wie in der Komödie "Das Geheimnis meines Erfolgs" mit Michael J. Fox. Als aufstrebender Jungmanager Brantley Foster bekommt er nur einen Bürobotenjob im Unternehmen seines Onkels. Bald fällt ihm das Missmanagement in der Firma auf und er schlüpft in die Rolle des fiktiven Carlton Whitfield aus der Führungsetage.

Ein Namensschild an einem leerstehenden Büro, eine Sekretärin und das passende Outfit reichen für den Schwindel. Für die Verwandlung vom Büroboten zum erfolgreichen Geschäftsmann wählt er den Aufzug, den einzigen ungestörten Ort im Gebäude.

Der Lift macht seine Karriere damit erst möglich. Im Schutz einer vormals noch nicht kameraüberwachten Aufzugkabine verwandeln sich auch unscheinbare Reporter in Superhelden ("Superman") oder Frauen in Männer und umgekehrt (Jack Lemmon und Tony Curtis in "Manche mögen’s heiß").

Menschliche Ängste

Aufzüge wecken darüber hinaus zahlreiche menschliche Ängste, von der Angst vor engen, abgeschlossenen Räumen über die Furcht davor, abzustürzen, bis hin zur Abneigung vor engem Kontakt mit anderen Menschen. Action-Regisseure spielen gern mit dieser Angstlust, treiben ihre Akteure aus der sicheren Kabine, wo sie sich an Kabeln in die Höhe oder Tiefe hangeln müssen, bevor der Fahrstuhl explodiert oder in den Schacht kracht. In "Speed" ebenso zu beobachten wie in der "Stirb langsam"-Reihe.

Schon 1984 mixte der deutsche Regisseur Carl Schenkel in "Abwärts" aus diesen Zutaten einen respektablen Action-Kracher. Der startet mit einem der am häufigsten bemühten Filmsujets in diesem Zusammenhang: dem steckengebliebenen Aufzug. Berühmtestes Beispiel ist Louis Malles Film Noir-Klassiker "Fahrstuhl zum Schafott" von 1958.

Hier wird der Fahrstuhl für Hauptfigur Julien Tavernier zugleich zum Gefängnis und Verhängnis: Während er feststeckt, nachdem er den perfekten Mord begangen hat, begeht jemand mit seiner Waffe ein Verbrechen, für das er am Ende büßen muss. Der Fahrstuhl, eigentlich Symbol fortschrittlicher Technologie, mit deren Hilfe der Mensch die Schwerkraft austrickst, Verkörpert hier das Unwägbare, das Menschen gerade nicht kontrollieren können.

Unvergessene Filmmomente

Im Horrorfilm rund um den Aufzug prallen Irrationales und Technologie noch stärker aufeinander. In "Shining" verwandelt Regisseur Stanley Kubrick den Aufzug in einen Todesboten, indem er ihm einen Wasserfall aus Blut entströmen lässt. In "Devil" verbirgt sich hinter einer der im blockierten Aufzug gefangenen Personen der Teufel persönlich – und ein blutiges Rätselraten beginnt.

Der niederländische Filmemacher Dick Maas schließlich lässt dem Aufzug den Ruhm zukommen, der ihm gebührt, und macht ihn zum Hauptdarsteller. In seinem Horrorfilm "Fahrstuhl des Grauens" von 1983 sowie dem Hollywood-Remake "Down" von 2001 bekommt das Gefährt ein Eigenleben und begeht eine Reihe von grausigen Verbrechen.

Fraglich, ob der Aufzug es je zum strahlenden Helden in einer Filmproduktion bringen wird. Unstrittig ist jedoch, dass er auch in Zukunft für unvergessene Filmmomente sorgen wird, denn seine wandelbare Ausstattung bietet die ideale Bühne für jede Art von Szene, die ein Filmemacher sich ausmalen kann.

Von Melanie Dorda

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