Freitag, 21. September 2018
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Gefährdungsbeurteilungen: Bei Aufzügen Pflicht?

Regelmäßige Wartung und Prüfung reichen nicht aus. Wer einen Aufzug betreibt, muss eine sichere Verwendung gewährleisten. Dazu muss der Betreiber mögliche Gefährdungen frühzeitig erkennen.

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Anhand einer Checkliste stellen die ZÜS und die qualifizierten Wartungsunternehmen die Abweichung vom Stand der Technik fest. (Foto: © Carsten Lehmann/Schindler Deutschland)

Nur so kann er sein Haftungsrisiko einschätzen und notwendige Modernisierungen frühzeitig planen. Aufzüge gehören in Deutschland zu den überwachungsbedürftigen Anlagen, obwohl sie zu den sichersten Transportmitteln zählen. Dennoch wurden mit der Novellierung der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vor drei Jahren die Anforderungen an die Betreiber noch mal erhöht.

Abweichungen zum Stand der Technik ermitteln

So muss unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung (GBU) für Aufzüge erstellt werden. Dabei werden die Abweichungen zum Stand der Technik ermittelt und mögliche Gefährdungen aufgezeigt. Das kann durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) wie TÜV oder Dekra ebenso erfolgen wie durch qualifizierte Wartungsunternehmen.

Dennoch reagieren viele Betreiber mit Unverständnis, wenn sie von ihrem Aufzugunternehmen auf die Notwendigkeit einer GBU aufmerksam gemacht werden. Sind denn fachgerechte Wartung und regelmäßige Prüfungen durch die ZÜS nicht ausreichend, um einen sicheren Betrieb des Aufzugs sicherzustellen?

Im Einzelfall vielleicht, aber nicht im Sinn der BetrSichV. Denn diese stellt Aufzugbetreiber einem Arbeitgeber gleich, sofern er "zu gewerblichen oder wirtschaftlichen Zwecken eine überwachungsbedürftige Anlage verwendet".

Betreiber sind Arbeitgebern gleichgestellt

HandwerkNun ist die Unterscheidung, wer Arbeitgeber ist und wer nicht, hier nicht ganz einfach. So ist etwa jeder Aufzugbetreiber gesetzlich verpflichtet, einen Aufzugwärter beziehungsweise eine beauftragte Person zu benennen. Dabei könnte man schon eine Arbeitgeberfunktion unterstellen. Die Grenze ist schwierig zu ziehen. Welcher Aufzugbetreiber benötigt also eine GBU? Zuerst einmal der Arbeitgeber mit Beschäftigen.

Aber auch wenn der Arbeitgeber keine Beschäftigte hat, aber der Aufzug von Arbeitnehmern genutzt wird, muss der Betreiber eine GBU erstellen lassen, etwa bei Gebäuden mit einer Mischnutzung, in denen Wohnungen und Geschäftsräume etc. untergebracht sind. Die BetrSichV geht sogar noch weiter: Für sie ist jede Vermietung eine wirtschaftliche Nutzung – selbst wenn nur eine Wohnung in einer Wohneigentümergemeinschaft vermietet wird.

Aber welcher Objektbetreiber muss denn keine GBU erstellen lassen? Nur der Betreiber von ausschließlich eigengenutzten Aufzuganlagen. Aber sobald Dritte den Aufzug nutzen, etwa Besucher in einem Mehrfamilienhaus einer Wohneigentümergemeinschaft, ist die GBU Pflicht.

Ausnahme bei ausschließlicher Eigennutzung

Deshalb sind nur solche Objekte von der GBU-Pflicht befreit, die zur ausschließlichen Eigennutzung bestimmt sind, zum Beispiel mehrgeschossige Immobilien, wenn die Aufzuganlage code- oder schlüsselgesichert ist, oder in einem Einfamilienhaus, zu dem Dritte keinen Zugang haben. Das dürften aber Ausnahmen sein, zumal jedes Bundesland in seinem Baurecht abweichende Regelungen festgelegen kann. Also muss fast jeder eine GBU machen.

Allerdings: Die GBU dient dem Schutz der Nutzer ebenso wie dem Betreiber. Sobald sie vorliegt, muss der Betreiber notwendige Maßnahmen einleiten, um die sichere Verwendung der Anlage zu gewährleisten. Zudem muss er gegenüber einer ZÜS oder einer Behörde nachweisen können, dass er eine GBU erstellt hat.

Risiken bewerten

HandwerkDas hört sich komplizierter an, als es eigentlich ist. Anhand einer Checkliste stellen die ZÜS und die qualifizierten Wartungsunternehmen die Abweichung vom Stand der Technik fest. Daraus ergeben sich Gefährdungen mit unterschiedlichem Risiko (niedrig, mittel und hoch). Im Gegensatz zur wiederkehrenden Prüfung, bei der auch diese Checkliste von den ZÜSen eingesetzt wird, nimmt die GBU zusätzlich die Gefährdungen mit in den Blick, die von der Umgebung des Aufzugs ausgehen.

Die GBU nutzt dem Betreiber aber nicht nur sicherheitstechnisch: Um einen langfristigen und wirtschaftlichen Betrieb von Aufzuganlagen sicherzustellen, sollten Modernisierungsmaßnahmen planvoll und priorisiert erfolgen. Das sichert auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, verringert reparaturbedingte Ausfälle und senkt Betriebskosten.

Daher sollten Betreiber sich rechtzeitig an qualifizierte Aufzugfirmen wenden, die nicht nur die Wartung, sondern auch notwendige Modernisierungen durchführen können und gemeinsam einen Modernisierungsplan für in die Jahre gekommene Aufzuganlagen erstellen.

Frank Kurtenbach, Business Line Manager Modernisierung Schindler

www.schindler.com

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