Samstag, 17. November 2018
LIFTjournal Logo

Gebete für den Wolf im Aufzug

Die Römer liebten Spiele: Tausende strömten an Spieltagen ins Kolosseum, um Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe zu verfolgen.

/cache/images/kolosseum_aufzug_quer-cc7b4dc1cdbebe7179121b87aab4040f.
Der Aufzug im Kolosseum erregte großes Interesse und ist auch huete noch zu besichtigen. (Quelle: Deutsches Archäologisches Institut / Beste)

Der Aufwand, den die Kaiser dafür trieben, war immens: Für mehrtägiges Feiern ließen sie hunderte wilder Tiere aus allen Gegenden des Reiches heranbringen: Elefanten und Bären, Rehe und Antilopen, Wildschweine und Wölfe. Ein Rätsel bis vor kurzen: Wie kamen Tiere und Kämpfer in die Arena?

Antike Schriftsteller berichten, dass sie wie aus dem Nichts auftauchten. "Wir Wissenschaftler vermuten schon lange, dass es im Untergeschoss des Kolosseums Aufzüge gab, mit denen die Tiere nach oben befördert wurden", erzählt Dr. Heinz-Jürgen Beste, Bauforscher am Deutschen Archäologischen Institut in Rom.

Senkrechte Rillen in den Wänden und ein steinerner Abdruck auf dem Boden werten die Forscher als untrügliche Zeichen. An 28 Stellen im Kolosseum gibt es Hinweise auf Lifte, die wohl über Seilwinden angetrieben und hochgezogen wurden - bis unter den Arenaboden. Die letzten Meter legten die Tiere über schräge Rampen zurück.

Schwierige Aktion

Handwerk"Wir haben am Computer simuliert und Modelle im Verhältnis 1:10 gebaut", erzählt Beste. Der Sicherheitsingenieur des Kolosseums, Umberto Baruffaldi, macht sich dafür stark, auch einen Aufzug in Originalgröße in Holz nachzubauen und im Untergeschoss an der richtigen Stelle fahrtüchtig zu machen.

Der Fernsehsender Arte hat die Wissenschaftler begleitet und Bau und Einbau des Lifts in der Sendereihe "Denkmäler für die Ewigkeit" dokumentiert. Da ist zu verfolgen, wie im Jahr 2014 der Aufzug mit einem Kran ins Innere der Arena schwebte und langsam zwischen zwei Wände sank. Eine schwierige Aktion, die nur bei absoluter Windstille und mit großem Fingerspitzengefühl des Kranführers gelingen konnte.

Die Götter hätten Baruffaldis Gebete erhört, war man im Expertenkreis überzeugt. Der glückliche Testfahrer war ein - verletzter und in einem Tierheim aufgezogener - Wolf, in Anlehnung an die Sage von der Gründung Roms durch Romulus und Remus, die von einer Wölfin gesäugt wurden. Vom Untergeschoss des Kolosseums im Aufzug durch die Kraft von acht starken Männern an Seilwinden nach oben gezogen lief er munter durch die Arena – freilich ohne bei einer antiken Tierhetze zu sterben.

Von Bettina Heimsoeth

Leserkommentare

nach oben