Montag, 19. November 2018
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Das Wandern ist des Fisches Lust

Für Fische ist es überlebenswichtig, flussauf- und abwärts wandern zu können. Oft jedoch sind die Gewässer mit unüberwindlichen Stauwehren durchzogen.

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Die europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert aber die "Durchgängigkeit eines Gewässers für aquatische Organismen": Auch Fische haben ein Recht auf Barrierefreiheit. An vielen Stauanlagen werden hierzu Fischtreppen eingesetzt – allerdings benötigen die viel Platz, zudem ist die maximal überwindbare Höhe recht überschaubar.

Die Firmen Baumann Hydrotec und Hydro-Energie Roth haben sich etwas einfallen lassen: Sie haben einen Fischlift entwickelt. Er meistert locker Höhenunterschiede von bis zu 30 Metern und ist äußerst raumeffizient, braucht viel weniger Platz als eine Fischtreppe und ist auch preiswerter.

Lift punktet mit Energieeffizienz

Das zentrale Bauteil ist ein Schwimmkolben, ein Behälter, der sich in einer wassergefüllten Röhre hoch und runter bewegt. Die Fische werden durch Strömung in den Schwimmkolben gelockt, der mittels Wasserkraft nach oben getragen wird. Oben angekommen, wird der Behälter geöffnet, die Fische können weiterschwimmen.

Wie lange die Fahrt im Fischlift dauert, hängt – wie bei Personenaufzügen – ganz von der Förderhöhe ab. Bei einer zu überwindenden Höhe von zehn Metern etwa nimmt die Fahrt gemütliche fünf Minuten in Anspruch. Damit bricht der Fischlift sicher keinen Geschwindigkeitsrekord. Punkten kann er allerdings mit seiner Energieeffizienz: Da er hauptsächlich per Wasserkraft bewegt wird, verbraucht er nur wenig Strom. Lediglich die Steuerung des Hydraulikaggregats benötigt ca. 0,35 kW pro Stunde. Dafür können pro Fahrt Schwärme von bis zu 40 Fischen befördert werden.

Fischlift als Lösung

Für den Essener Baldeneysee ist die Umsetzung dieser Technologie als Pilotprojekt geplant. Um der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu entsprechen, suchte der Ruhrverband als Eigentümer des Sees seit geraumer Zeit nach einer passenden und finanzierbaren Fischaufstiegsmöglichkeit. Für eine Fischtreppe war der Platz in der Nähe des Wasserkraftwerks zu knapp. Der Fischlift brachte die Lösung.

Nun wird eine Anlage gebaut, durch die sich für alle 36 Fischarten, die in der Ruhr leben, mehr Nahrungsquellen und Laichplätze erschließen sollen. Und was für die Fische gut ist, kann für den Menschen nicht schlecht sein – denn wo eine hohe Artenvielfalt herrscht, ist auch eine gute Gewässerqualität sichergestellt.

Von Stathi Vassiliadis

www.hydroenergie.de

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