Samstag, 17. November 2018
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Im Rausch der Höhe

Wir leben in einer Welt der Superlative. Autos und Eisenbahnen sollen immer schneller fahren, Menschen immer länger leben und Hochhäuser immer höher sein. Da müssen alle mithalten – auch die Aufzüge.

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Im Shanghai Tower (rechts) fährt der derzeit schnellste Aufzug der Welt. (Foto: © zhaojiankangphoto/123RF.com)

Und wer hat da die Nase vorn? Die Chinesen, wie so oft. Im Jahr 2002 weihten sie feierlich den weltweit höchsten außenliegenden Aufzug ein, den Bailong Aufzug. Mit einer Höhe von 326 Metern steht er im Zhangjiajie National Forest Park in Hunan. Nun machen sie wieder Schlagzeilen: Im 632 Meter hohen Shanghai Tower in Chinas Finanzmetropole ist im Juli dieses Jahres der schnellste Aufzug der Welt in Betrieb gegangen.

In den 95. Stock in 45 Sekunden

Mit rasanten 20,5 Metern pro Sekunde – das sind 73 km/h – sausen die Aufzüge aus dem Hause Mitsubishi in die Höhe. Nur knapp dahinter liegt ebenfalls ein Lift in China: Im mit 530 Metern höchsten Gebäude der Stadt Guangzhou, dem CTF Finance Centre, fährt seit dem Sommer ein Hitachi- Aufzug mit 20 Metern pro Sekunde. Vom Erdgeschoß in den 95. Stock braucht er 45 Sekunden. Die Aufzugkabinen sind mit einem Druckausgleich ausgestattet, damit, was technisch machbar, nicht unangenehm für die Passagiere ist.

Das mit 830 Metern höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa in kommt vergleichsweise gemächlich daher, in die Höhe geht es mit zehn Metern pro Sekunde. Den Titel als höchstes Gebäude wird der Burj Khalifa aber im Jahr 2019 abtreten müssen – dann wird im Norden von Dschidda in Saudi- Arabien der Jeddah Tower gut einen Kilometer in die Höhe ragen.

Energieverbrauch lässt sich erheblich reduzieren

Das aber bringt ein neues Problem mit sich: Bisher konnten Liftkabel maximal 500 Meter lang sein. Dank eines neuen Kohlefaserkabels aus dem Hause Kone soll nun aber ein Kilometer möglich sein. Da dieses Kabel extrem leicht ist, lässt sich der Energieverbrauch von Hochhausaufzügen erheblich reduzieren. Durch das geringere Seilgewicht reduziert sich die zu bewegende Gesamtmasse des Aufzugs signifikant – die Seile haben einen erheblichen Anteil daran. Je höher der Aufzug fährt, desto mehr.

Und wo soll das alles hinführen? Bei einem Tempo von 24 Metern pro Sekunde sei Schluss, ist aus Expertenkreisen zu hören. Das liegt allerdings nicht an technischen Grenzen, sondern am Luftdruck. Wäre ein Lift noch schneller unterwegs, kann sich der Körper dem Druck auf dem höchsten Stockwerk nicht anpassen. Trotz Druckausgleich.

Von Bettina Heimsoeth

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