(Foto: © Dmitry Kalinovsky/shutterstock)

Geschlossene Systeme: Eine Lösung für Mittelständler

Aktuelles

Leider gibt es in der Aufzugbranche noch keine offenen Serviceschnittstellen wie zum Beispiel in der Fahrzeugbranche. Hier können freie Werkstätten Fahrzeuge herstellerneutral, fachgerecht, kostengünstig und fair instand halten.

Von Udo Niggemeier

Durch die geschlossenen Systeme/Schnittstellen bestimmter Hersteller kommt es dagegen in der Aufzugbranche zu einem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Betreiber und Hersteller. Das verursacht über die gesamte Lebensdauer eines Aufzuges oft Mehrkosten.

Die Vereinigung mittelständischer Aufzugsunternehmen (VmA) hat den Beschluss gefasst, für ihre Mitglieder eine Möglichkeit zu schaffen, auch geschlossene Systeme fachgerecht und fair betreuen zu können. Dazu wurde die Arbeitsgruppe Instandhaltung (AGI) ins Leben gerufen. Hauptaugenmerk waren Aufzüge, die zehn Jahre oder älter sind. Während der Gewährleistung wird jedem Betreiber empfohlen, den Aufzug durch den Hersteller betreuen zu lassen, da es ansonsten im Schadensfall zu Problemen kommen kann.

Die AGI hat analysiert, welche Bauteile den Mitgliedsbetrieben die größten Probleme bei der Instandhaltung bereiten. Dabei kristallisierten sich die Steuerungs- und Regelungstechnik heraus. Danach wurde eruiert, welche Lösungen es am Markt dafür gibt.

Auf Steuerung zugreifen

Foto: © VmAFoto: © VmA

Das Problem der Frequenzumrichter ist zum Beispiel, dass oft nach ca. zehn Jahren Hardwareschäden auftreten. Am Markt gibt es Anbieter, die die beschädigten Komponenten in kurzer Zeit ersetzen können. Meist funktionieren die Frequenzumrichter danach ohne Probleme.

Anders sieht es bei Steuerungen aus – egal, ob bei Störungen Parameter ausgelesen, bei Wartungen Speicher zurückgesetzt werden müssen, bei ZÜS-Prüfungen Prüfroutinen durchgeführt werden sollen oder nur mal die Türzeiten zu ändern sind. Jedes Mal muss hier auf die Steuerung zugegriffen werden. Dafür werden bei Steuerungen in geschlossenen Systemen/Schnittstellen bestimmte Tools, Codes und spezielles Wissen benötigt.

Teuer und ökologisch bedenklich

Eine Möglichkeit ist es, die Steuerung durch ein offenes System zu ersetzen. Da hier alle elektronischen Komponenten des geschlossenen Systems ersetzt werden müssten, entstehen hohe Kosten. Auch ist es aus ökologischer Sicht bedenklich, Komponenten zu erneuern, die technisch noch in Ordnung sind – und das nur, weil den mittelständischen Aufzugsunternehmen der Zugang auf die Komponenten vom Hersteller verbaut wird.

Die AGI weist darauf hin, dass auf dem Markt Tools erhältlich sind, mit denen die Parameter dieser Steuerungen ausgelesen werden können. Meistens ist es mit dem Auslesen jedoch nicht getan. Parameter müssen interpretiert, Fehlercodes übersetzt, Prüfroutinen müssen durchgeführt werden.

Fachwissen sammeln, sortieren und aufbereiten

Viele VmA-Mitglieder haben sich für einzelne Hersteller dieses Fachwissen erarbeitet. Die Aufgabe der AGI war somit klar: Fachwissen sammeln, sortieren und aufbereiten, sodass alle VmA-Mitglieder dieses Wissen nutzen können. Als beste Lösung stellte sich heraus, für bestimmte Fabrikate VmA-Bedienungsanleitungen zu erstellen. Funktionsweisen, Störungsanalysen, ZÜS-Abnahmen und Parameteränderungen etc. sind dort beschrieben. Auch sind Bezugsquellen für Ersatzteile etc. aufgeführt.

Von einigen Betreibern wurden Aufzüge zur Verfügung gestellt, sodass mit Fotos und Videos Visualisierungen innerhalb der Bedienungsanleitungen erstellt werden konnten. Ziel war es, den Technikern vor Ort die fachgerechte Betreuung des Aufzuges zu ermöglichen und das Angebot für deren Kunden zu verbessern.

Fachgerecht, kostengünstig und fair

Die ersten VmA-Bedienungsanleitungen stehen jetzt exklusiv allen VmA-Mitgliedern – nach Unterzeichnung einer Nutzungsvereinbarung – kostenlos zur Verfügung. In den nächsten Jahren werden weitere Bedienungsanleitungen folgen und die bereits vorhandenen werden überarbeitet und aktualisiert. Durch die Arbeit der AGI hat die VmA ihren Mitgliedern ermöglicht, eine große Zahl von Aufzügen mit geschlossenen Systemen/Schnittstellen fachgerecht, kostengünstig und fair zu betreuen.

Vielleicht wird es in Zukunft auf nationaler/europäischer Ebene oder durch die Normung vorgegeben, dass es eine offene Serviceschnittstelle mit entsprechender Dokumentation geben muss. Einen freien und fairen Wettbewerb würde dieses sicher fördern. 

Der Autor ist Vorsitzender der Vereinigung mittelständischer Aufzugsunternehmen.


Weitere Informationen: vma.de

Das könnte Sie auch interessieren: