Geht TKE-Europa an eine Private-Equity-Gesellschaft?
Das Europa-Geschäft von TK Elevator (TKE) soll Insidern zufolge bei der Übernahme von TKE durch Kone zum größten Teil verkauft werden, meldete die Nachrichtenagentur Reuters am 1. Oktober. Das LIFTjournal hat weiter recherchiert und zudem den Firmentransaktions-Experten Dr. Lars Watermann um eine Einschätzung gebeten.
Von Ulrike Lotze
Zunächst die Reuters-Meldung: "Kone wolle noch im Herbst einen Verkaufsprozess für die TKE-Sparte lostreten, die für mehr als ein Viertel des Umsatzes der ehemaligen Thyssenkrupp-Tochter steht", so ein Zitat aus der Meldung vom Donnerstag. In einem Statement gegenüber Reuters erklärte Kone, man habe "immer klar gesagt, dass die Trennung von Geschäftsbereichen in einigen Weltregionen nötig sein könnte, um die Zustimmung der Regulierer zu bekommen".
Foto: © TK ElevatorAm 2. Oktober machte dann eine Schlagzeile in der Schweizer Fachzeitung "Finanz und Wirtschaft" (FuZ) die Runde. Danach wittere der Schindler-Konzern angesichts dieser Entwicklung die "Chance auf Zukäufe". Das LIFTjournal hat nachgefragt und folgende Erklärung des Schindler-Konzerns erhalten: "Sollten Veräußerungen aus der TKE/Kone-Transaktion erforderlich werden, würden wir die daraus ergebende Möglichkeit sorgfältig anhand ihrer strategischen Eignung, ihres Wertschöpfungspotenzials und der geltenden regulatorischen Anforderungen prüfen."
Kernländer Europas herauslösen
Wie lassen sich diese Meldungen einordnen? Dr. Lars Watermann hatte bereits in der Juli-Ausgabe des LIFTjournal die These vertreten, dass die Kartellbehörden einen "vollständigen Zusammenschluss nicht einfach durchwinken" werden. Schon seinerzeit schätzte er, dass die Kernländer Europas aus dem Deal herausgelöst würden.
Was er damals noch nicht ahnen konnte: "TKE hatte zu diesem Zeitpunkt bereits gesellschaftsrechtliche Vorkehrungen für exakt dieses Szenario getroffen", so die Recherche des Experten für Fusionen und Übernahmen in der Aufzugsbranche. Denn am 16. Juli 2026 habe TKE eine sogenannte Vorrats-GmbH gekauft, die Mitte August in "TK Europe Holding GmbH" umfirmiert worden sei.
Foto: © KoneKauft eine Private-Equity-Gesellschaft?
Eine interessante Entwicklung – auch für den Mittelstand, so die Einschätzung von Watermann. Denn man könne nicht nur davon ausgehen, dass Zukäufe in Zentraleuropa künftig über diese neue Einheit getätigt werden, sondern auch, dass die TK Europe Holding GmbH in wenigen Monaten einen neuen Eigentümer erhalten werde, betont der Experte: "Da sowohl Schindler als auch Otis aufgrund ihrer Marktposition in Europa ebenfalls an der kartellrechtlichen Hürde scheitern könnten, gehen Insider davon aus, dass die neue Gesellschaft an eine Private-Equity-Gesellschaft veräußert werden wird."
Analysten der US-Investmentbank Citi hatten außerdem gegenüber Reuters vermutet, dass der Verkauf des Europa-Geschäfts 2,1 Milliarden Euro einbringen könnte. Diesen Betrag bezweifelt der M&A-Experte: "Ich gehe aber davon aus, dass es erheblich mehr sein wird."
Watermann hat für das LIFTjournal folgende Zahlen zur Begründung seiner These zusammengestellt:
• Kone zahlt 29,4 Milliarden Euro für TKE
• TKE-Umsatz gesamt: 9,2 Milliarden Euro
• TKE-Umsatz Europa/Afrika gesamt: 2,48 Milliarden Euro, also 27 Prozent
• TKE-Umsatz Wartung gesamt: 4,42 Milliarden Euro
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• Anzahl der Anlagen unter Wartung: > 1,4 Millionen
• Obiger Anteil von 27 Prozent auf 1,4 Anlagen unter Wartung angewandt: ca. 380.000 Units
• Gesamtkaufpreis geteilt durch Anzahl der Anlagen unter Wartung = ca. 20.000 Euro pro Anlage unter Wartung
• # ca. 380.000 Units Europa x 20.000 Euro = 7,6 Milliarden Euro
Das Fazit des Experten: "Ich bewerte den Anteil von ehemals TK Europe Africa GmbH am Gesamtkonzern mit mehr als sieben Milliarden Euro."
Hintergrund: Im April 2026 hatte der finnische Aufzugskonzern Kone die Übernahme des deutschen Mitbewerbers TK Elevator (TKE) angekündigt. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Die Haupteigentümer von TKE, die Finanzinvestoren Advent und Cinven hatte 2020 TKE für rund 17 Milliarden übernommen.
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