In Skandinavien kaufen Finanzinvestoren die Mittelständler
Der schwedische Aufzugsmarkt befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Anders als in anderen europäischen Ländern sind es nicht die großen OEMs, die kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aufkaufen, sondern neue, finanzstarke Gruppen.
LIFTjournal sprach mit Daniel Nyman – CEO der Ascenco Group und bis vor kurzem Vorsitzender des schwedischen Aufzugsverbands – über diese Dynamik, die dahinterstehenden Strategien sowie die kulturellen Unterschiede zwischen dem europäischen und dem japanischen Markt.
Herr Nyman, in Deutschland ist die Übernahme von mittelständischen Aufzugsunternehmen ein großes Thema. Es ist sogar die Rede vom "Verschwinden des KMU-Sektors". Wie ist die Situation in Schweden?
Nyman: Diese Dynamik ist auf dem schwedischen Markt schon seit vielen Jahren zu beobachten. Soweit ich weiß, sind es auf dem deutschen Markt jedoch hauptsächlich die großen, multinationalen OEMs, die die KMUs aufkaufen. Auf dem nordischen Markt und insbesondere in Schweden waren die Hauptakteure in den letzten zehn bis zwölf Jahren Private-Equity-Gruppen, die den Markt konsolidierten.
Daniel Nyman, CEO der Ascenco Group. Foto: © Martina Lundqvist/ Ascenco GroupDiese neuen Akteure betrachten die Aufzugsbranche als eine sehr stabile und attraktive Investition. Die langfristigen Serviceverträge bieten eine zuverlässige, wiederkehrende Einnahmequelle, die im heutigen volatilen Wirtschaftsklima sehr geschätzt wird. Diese Einnahmestabilität, die totale Konzentration auf Akquisitionen als strategischer Workflow, verbunden mit einem anderen Auftreten gegenüber den Verkäufern, sind meiner Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass diese Unternehmen in der Regel bei den Übernahmen erfolgreich sind.
Das ist ein interessanter Punkt. Warum ist Ihrer Meinung nach so wenig von größeren Übernahmen durch die großen OEMs in den nordischen Ländern zu hören? Werden sie einfach überboten?
Nyman: Es ist vor allem eine Frage der Bewertung und des strategischen Ansatzes. Die Finanzinvestoren und die neuen Käufergruppen haben oft ein anderes, aggressiveres Bewertungsmodell. Sie haben den langfristigen Cashflow und das Potenzial für Synergien innerhalb einer wachsenden Gruppe im Blick, was es ihnen ermöglicht, ihre Preise zu rechtfertigen. Dies hat zu einer Landschaft geführt, in der sich neue Konglomerate von Aufzugsunternehmen gebildet haben. Da geht es nicht nur um Ascenco, sondern auch um andere Akteure, die eine ähnliche Strategie verfolgen – nämlich starke, lokale Unternehmen unter einem Dach zu vereinen.
Sie sind jetzt CEO der Ascenco Group, einem dieser neuen Akteure. Die Gruppe hat im letzten Jahr vier Übernahmen getätigt. In den vergangenen sechs Monaten expandierte sie nach Norwegen und zuletzt auch nach Dänemark – durch Heiskompaniet AS bzw. SJEC A/S. Wie sieht Ihre Strategie für die kommenden Jahre aus?
Nyman: Der Weg von Ascenco ist eine Geschichte des strategischen Wachstums. Es begann mit einer Ausgliederung, aus der Nordic Lifts hervorging. Dann erwarben wir ein kleineres, insolventes Unternehmen, um unsere operative Grundlage zu schaffen. In diesem Jahr hat sich unser Wachstum deutlich beschleunigt: Hiss-Craft – ein angesehenes Unternehmen in Nordschweden – schloss sich uns im Februar an, gefolgt von Stockholm Hiss-Service im Juni. Wir werden unseren Wachstumskurs auf jeden Fall fortsetzen, und zwar sowohl durch den Beitritt weiterer Unternehmen zur Gruppe als auch durch organisches Wachstum in den Bereichen, in denen wir bereits tätig sind.
Vor Ascenco arbeiteten Sie bei einem anderen Private-Equity-Unternehmen, das 2022 von einem asiatischen multinationalen Unternehmen übernommen wurde. Wie sehen Sie die asiatischen Unternehmen?
Nyman: Ich glaube, dass Europa damals generell ein interessanter Markt für asiatische Akteure war (und immer noch sein sollte). Wir haben ein hohes Pro-Kopf-BIP, einen alten Bestand an Aufzügen und einen reifen, stabilen Markt. In vielen asiatischen Ländern wie China und Japan wird mit einem starken Bevölkerungsrückgang gerechnet, was ihre Märkte weniger attraktiv macht. Dann müssen sie über den nationalen Tellerrand schauen. Angesichts der gegenwärtigen geopolitischen Lage ist es jedoch sehr schwierig, vorherzusagen, wie sie aktuell auf Europa blicken.
Als ehemaliger Vorsitzender des schwedischen Aufzugsverbands haben Sie einen Überblick über den gesamten Markt. Der Verband wies kürzlich darauf hin, dass Schweden die älteste Aufzugsflotte in Europa hat, wobei 20.000 ältere Aufzüge ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellen. Warum hinkt ein wohlhabendes und sicherheitsbewusstes Land wie Schweden hinterher?
Nyman: Dies ist eine der größten und frustrierendsten Herausforderungen für unsere Branche und für die öffentliche Sicherheit in Schweden. Dafür gibt es mehrere Gründe, die miteinander zusammenhängen. Erstens – und das ist der wichtigste Punkt – sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für Aufzüge in bestehenden Wohngebäuden nicht verbindlich genug. Wir haben zwar moderne europäische Normen, doch es gibt keine gesetzliche Verpflichtung für Gebäudeeigentümer, hinsichtlich der neuesten Sicherheitsstandards nach- und umzurüsten – wie z. B. durch den Einbau von Fahrkorb-Innentüren –, es sei denn, es werden ohnehin größere Änderungen vorgenommen. Zweitens mangelt es eindeutig an politischem Willen und öffentlichem Bewusstsein.
Foto: © Ascenco Sicherheitsupgrades für Aufzüge sind kein Thema, mit dem man Wahlen gewinnt. Die Regierung hat sich bisher davor gescheut, diese entscheidenden Sicherheitsupgrades vorzuschreiben – wahrscheinlich aus Sorge um die Kosten für die Eigentümer und Wohnungsgenossenschaften. Wir als Verband arbeiten unermüdlich daran, dies durch Lobbyarbeit und öffentliche Informationskampagnen zu ändern. Dies ist jedoch ein sehr langsamer und schwieriger Prozess.
Eine weitere dringende technische Herausforderung ist die Abschaltung der 2G/3G-Netze in ganz Europa. Wie weit ist Schweden mit der Umrüstung von Notrufsystemen in Aufzügen auf 4G/5G-Technologie?
Nyman: Dies ist ein äußerst dringendes Problem, das wir aktiv angehen. In Schweden sollten die 2G- und 3G-Netze bis Ende 2025 vollständig abgeschaltet werden. Wir haben Zehntausende von Aufzügen, deren Notkommunikationssysteme vollständig auf dieser älteren Technologie basieren. Eine beträchtliche Anzahl ist bereits umgestellt worden, doch ein großer Teil muss noch umgerüstet werden.
Der Verband führt intensive Informationskampagnen durch, um alle Gebäudeeigentümer aufzufordern, jetzt zu handeln und nicht zu warten. Wenn sie bis zur letzten Minute zögern, werden sie mit ernsten Problemen konfrontiert: unvermeidliche Engpässe bei der Lieferung von Hardware und – was noch kritischer ist – ein Mangel an qualifizierten Technikern, die die Installationen durchführen. Dies könnte dazu führen, dass ihre Aufzüge nicht den Vorschriften entsprechen, nicht funktionsfähig sind und – was am schlimmsten ist – nicht sicher sind. Es ist wirklich ein Wettlauf mit der Zeit, um die Sicherheit und Konnektivität für alle Aufzugsnutzer weiterhin zu gewährleisten.
Das Iinterview führte Ulrike Lotze
Weitere Informationen: Daniel Nyman ist CEO von Ascenco. Er gehört dem schwedischen Aufzugsverbands (Hissförbundet) seit dem Jahr 2013 an und war bis Februar 2026 Vorstandsvorsitzender. Der 55-Jährige hat einen Master of Science in Business and Economics von der Stockholm School of Economics und ist seit 2010 in der Aufzugsbranche tätig.
ascencogroup.com
hissforbundet.se/en
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