Montag, 20. November 2017
LIFTjournal Logo

Fahrt im Schiffstrog

Aufzüge für Personen- und Warentransporte? Gehören zum Alltag. Autoaufzüge? Werden eingesetzt, um Stellplätze in Park- und Wohnhäusern zu erreichen. Und Schiffe?

/cache/images/schiffshebewerk-2bec868156fcfa108d057e98b7d82bae.
Das Schiffshebewerk in Niederfinow am Havel-Oder-Kanal nordöstlich von Berlin. (Foto: © Mathias Bayer)

Mit Schleusen lassen sich auf Kanälen einige Meter überwinden. Ist der Höhenunterschied groß, benötigt man ein Schiffshebewerk wie das in Niederfinow, am Havel-Oder-Kanal nordöstlich von Berlin.

14.000 Tonnen schwere Stahlkonstruktion

Als der Havel-Oder-Kanal 1914 als „Hohenzollern-Kanal“ in Betrieb ging, war eine technische Herausforderung , bei Niederfinow einen Geländesprung von 36 Metern auszugleichen. Es sollte eine Schleusentreppe oder ein Schiffshebewerk entstehen, gebaut wurde zunächst die Schleusentreppe. Nach dem ersten Weltkrieg gingen die Überlegungen weiter, bis die Akademie des Bauwesens 1927 einen Entwurf des Reichsverkehrsministeriums für ein Schiffshebewerk billigte, das im März 1934 den Betrieb aufnahm.

HandwerkDas Schiffshebewerk besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren, durch fünf Millionen Niete zusammengehaltenen Stahlkonstruktion, die 60 Meter hoch, 94 Meter lang und 27 Meter breit ist. Hinzu kommt die ebenfalls genietete 157 Meter lange Brücke, die aus 4.000 Tonnen Stahl besteht und das Hebewerk mit dem oberen Kanallauf verbindet.

Und auch der Grundbau hat es in sich: Die neun Pfeiler aus stahlbewehrtem Beton wurden mit Druckluft 22 Meter ins Erdreich eingebracht, um tragfähige Bodenschichten zu erreichen. Die Bodenplatte ist 111 Meter lang, 34 Meter breit und 8 Meter dick.

Schiffstrog als Herzstück

Herzstück des Hebewerks ist der Schiffstrog, der bewegliche Teil der Konstruktion, in dem die Schiffe gehoben und gesenkt werden. Der Trog, der auf beiden Seiten durch Hubtore geschlossen wird, wiegt in gefülltem Zustand 4.300 Tonnen. Das Gewicht ändert sich nicht, wenn ein Schiff hinein- oder hinausfährt – es strömt genauso viel Wasser ab oder zu, wie das Schiff wiegt.

HandwerkDer Trog hängt an 192 Stahlseilen, die über Seilscheiben von 3,5 Meter Durchmesser geführt werden, die sich in den Hallen des obersten Stockwerkes befinden. An ihren Enden tragen die Seile Gegengewichte, die das Gewicht des Troges ausgleichen. Zur Bewegung dienen vier Zahnräder, die an langen Zahnstockleitern auf- und ablaufen und durch 55 kW starke Gleichstrommotoren angetrieben werden.

Der Höhenunterschied von 36 Metern wird dabei in fünf Minuten überwunden. Das entspricht einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 12 cm/s, die nach einem Meter Trogfahrt bzw. nach 20 Sekunden erreicht wird. Mit den Ein- und Ausfahrmanövern benötigt ein Schiff zirka 20 Minuten für die Durchfahrt.

nach oben