Konzentrationsprozess in der europäischen Aufzugsbranche geht weiter
Der Konzentrationsprozess in der europäischen Aufzugsbranche geht weiter: Neben dem finnisch-deutschen Megadeal von Kone und TK Elevator lassen sich auch andere länderübergreifende Übernahmen und Zusammenschlüsse in Europa beobachten. Wir stellen einige davon vor.
VON BERND LORENZ
Mitsubishi Electric hat Infinity Lifts Ireland übernommen (v. l.): Shingo Sawada (Mitsubishi Electric Corporation), Garech McGuinness (Infinity Lifts Ireland) und Fredrik Eliasson (European Regional Headquarters of Mitsubishi Electric Building Solutions) Foto: © Motum Infinity LiftsDie spanische Fain-Gruppe hat im Frühjahr seine vier Tochtergesellschaften De Lift, LiftInc, Liftup und Qualitylift unter der Marke "Fain Belgium" zusammengeführt. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens ist man damit drittgrößter Anbieter des Landes mit einem Anteil von 18 Prozent am Bestand der gewarteten Aufzüge (insgesamt soll es etwas mehr als 100.000 Aufzüge im Bestand geben).
Damit habe man in Belgien die Position als Marktführer bei der Montage von Aufzügen gefestigt. 2025 verzeichneten alle belgischen Tochtergesellschaften, zu denen auch die Unternehmen Rensonnet, CDI und Stalift zählen, einen gemeinsamen Umsatz von 48,9 Millionen Euro. CEO von Fain Belgium ist Arne Vandenberghe.
Weitere Übernahmen sollen folgen
Seit Juli 2025 gehört das dänische Aufzugsserviceunternehmen Elecom Elevator aus Glostrup (nahe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen) zur Fain-Gruppe. Grund dafür ist der Generationswechsel in der Unternehmensführung. "Henning Nielsen und ich werden in den kommenden Jahren weiterhin Teil des Eigentümerkreises bleiben, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten", erklärt Jørgen Thomsen, ehemaliger Geschäftsführer und Gesellschafter von Elecom Elevator.
CEO ist derzeit Thomas Andersen, der neben Thomsen und Nielsen als Minderheitsgesellschafter in den Eigentümerkreis aufgenommen worden ist. Fain ist Mehrheitseigentümer. Im Frühjahr 2026 wurde mit 3E aus Odense ein weiteres Aufzugsserviceunternehmen in die Gruppe integriert. Die beiden Tochtergesellschaften betreuen 2.100 Anlagen und setzen insgesamt 13 Millionen Euro um.
Die Fain-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.700 Mitarbeiter, betreut über 100.000 Anlagen und peilt dieses Jahr einen Umsatz von 300 Millionen Euro an. Aufgrund des internationalen Wachstums entfallen inzwischen 40 Prozent der Geschäftstätigkeit auf Märkte wie Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, Belgien, Dänemark und Irland. Dieses Jahr sollen weitere Übernahmen in Spanien und im europäischen Ausland folgen.
Weitere Informationen: fainbelgium.be
elecom.dk
3e.dk
fain-elevators.com
Zweite Akquisition in Irland
Anfang April 2026 haben die schwedische Unternehmensgruppe Motum und Mitsubishi Electric Building Solutions Europe (siehe dazu auch das Interview auf Seite 12) die Übernahme von Infinity Lifts Ireland aus Ennis (Westirland) bekannt gegeben. Damit besitzt man bereits zwei Aufzugsunternehmen, die laut einer Pressemitteilung "über umfassende Kompetenzen für den Vertrieb, die Installation und die Wartung von Mitsubishi-Aufzügen auf dem gesamten irischen Markt verfügen".
Rund ein Jahr zuvor wurde Ascension Lifts aus Dublin gekauft. Infinity Lifts soll weiterhin als eigenständiges Unternehmen agieren. Das Team, die Kontaktdaten sowie bestehende Kunden- und Lieferantenvereinbarungen sollen unverändert bleiben. Mit-Gründer Garech McGuinness ist weiterhin CEO.
Motum ist nach eigenen Angaben die größte unabhängige Gruppe von Unternehmen in Norwegen und Schweden, die Aufzüge und Türen installiert, modernisiert, wartet und repariert. Zum Portfolio gehören Motum Stockholm, Motum Hiss Blekinge, Motum Hiss Skåne, Motum Port, Motum Mitt, Motum Väst, Motum Närke, Roslagens Hiss, Uppsala Lyftservice, Motum AS und Alt Heis. Hinzu kommen Ascension Lifts und Infinity Lifts in Irland. Die Motum-Gruppe macht keine Angaben zur Zahl der Mitarbeiter, betreuter Anlagen und zum Jahresumsatz.
Weitere Informationen: infinitylifts.ie
motum.ie
motum.se
Von Spanien nach Osteuropa
Im ersten Quartal dieses Jahres ist der spanische Aufzugsbauer MP Lifts in Osteuropa aktiv geworden. Mitte März wurde das Unternehmen Výtahy Bestlift mit Sitz in Prag übernommen, welches den Betrieb wie bisher fortführen soll. Damit wächst das Aufzugsportfolio in Tschechien laut einer Pressemitteilung von MP Lifts um 500 Einheiten. Durch die neue Akquisition soll vor allem die Position in der Hauptstadt gestärkt und die Expansion in Brünn fortgesetzt werden.
Im Juni 2026 wurde das auf die Wartung, Reparatur und Modernisierung von Aufzügen spezialisierte Unternehmen Koppel Romania Ascensoare aus Bukarest in die rumänische Niederlassung MP IFMA integriert. Durch die Aufnahme von 300 Anlagen ins Portfolio werden die Wartungsleistungen in der Hauptstadt verdichtet, so MP Lifts. Neben dem Hauptsitz in Bukarest ist MP IFMA landesweit durch ein Netzwerk von neun Regionalbüros vertreten, über die das Unternehmen seine Dienstleistungen im ganzen Land erbringt.
MP Lifts beschäftigt nach eigenen Angaben über 1.200 Mitarbeiter, hat weltweit über 170.000 Aufzüge installiert und ist mit seinen Niederlassungen international in mehr als 100 Ländern vertreten.
Weitere Informationen: bestlift.cz
mplifts.com
Fokus auf UK
Lukas Schlenker und Scott Haywood konzentrieren sich bei ihrer Akquisitionsstrategie auf Großbritannien. Seit rund zweieinhalb Jahren kaufen sie in England, Schottland und Wales kleine Betriebe auf und versammeln sie unter dem Dach der Pace Group Holding Limited. Anfang Juli haben sie die Aufzugswartungsportfolios von DeSeM aus Stoke-on-Trent (England) und Lift Smart Solutions aus Tilbury (beide England) erworben.
Außerdem wurden die Aufzugsbauer Atlas Lifts and Services aus Aberdeen (Schottland) und Bradford Lifts aus Bradford (England) übernommen. Damit gehören nun 18 Unternehmen, hinter denen rund 25 Marken stehen, der Pace-Gruppe an. Deren rund 200 Mitarbeiter warten circa 14.000 Aufzugsanlagen. "Wir sollten bis zum Jahresende weitere vier bis fünf Transaktionen abschließen, und dieses Transaktionsvolumen dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen", erklärt Lukas Schlenker, neben Scott Haywood Gründer und Eigentümer.
Der Umsatz der Pace-Gruppe lag seinen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2025 bei etwa 32 Millionen britische Pfund (umgerechnet rund 37,4 Millionen Euro). 2026 dürfte ein Erlös von circa 40 Millionen britische Pfund (umgerechnet rund 46,8 Millionen Euro) erzielt werden. Der Wachstumskurs der Pace-Gruppe wird finanziell von der privaten Beteiligungsgesellschaft Lloyds Development Capital (LDC) unterstützt, die zur börsennotierten Lloyds Banking Group gehört.
Weitere Informationen: thepacegroup.co.uk
Aufzüge als neuer Geschäftsbereich
Bislang hat sich die britische Unternehmensgruppe Complii auf Sicherheits- und Compliance-Dienstleistungen in den Bereichen Elektrotechnik, Brandschutz und Wasser fokussiert. Im Frühjahr 2026 hat das Unternehmen mit Sitz in London (England) sein Portfolio erweitert und eine eigenständige Sparte ins Leben gerufen, um die Einhaltung von Vorschriften für Aufzüge und Fahrtreppen in ganz Großbritannien zu prüfen.
Im Mai wurden die Übernahmen von The Escalator Company aus Rochester (England) und Classic Lifts aus Glasgow (Schottland) bekannt gegeben. Hinter Complii steht die britische Private-Equity-Gesellschaft Ansor, deren Portfolio aus kleinen und mittleren Unternehmen attraktiver Wachstumsbranchen besteht.
Weitere Informationen: complii.com
theescalatorcompany.com
liftengineers.co.uk
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