(Foto: © Skanio)

Innovative Vermessung vertikaler Räume

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Das Start-up "Skanio" nutzt LiDAR-Scans, um präzise Daten für die Modernisierung von Aufzügen und Fahrtreppen bereitzustellen.

Die Anlagen müssen während des Vorgangs jeweils nur für wenige Minuten außer Betrieb genommen werden. Ein neues Geschäftsmodell könnte dazu beitragen, dass dank 3D-Messtechnik weitere Märkte und Kundengruppen erschlossen werden können.

VON BERND LORENZ

Alessandro Pilone (r.) und Michael Williams im Oktober 2025 bei der interlift. Foto: © Bernd Lorenz/LIFTjournalAlessandro Pilone (r.) und Michael Williams im Oktober 2025 bei der interlift. Foto: © Bernd Lorenz/LIFTjournal

Caro, ich habe eine Idee. Ich möchte ein Unternehmen gründen, das sich auf Messverfahren für Aufzüge und Fahrtreppen spezialisiert", erinnert sich Caroline Bondier und denkt dabei an einen Anruf zurück, den sie 2023 von ihrem langjährigen Kollegen Alessandro Pilone erhielt.

Während ihrer langjährigen Tätigkeit bei einem internationalen Aufzugshersteller wurde ihnen eines klar: Trotz der umfassenden Digitalisierung in der Aufzugsbranche gibt es nach wie vor eine Marktlücke – die präzise Erfassung und Aufbereitung von Bestandsmessdaten für die Modernisierung und den vollständigen Austausch von Anlagen und Gebäuden sowie für Ausschreibungsverfahren.

"Alessandro hatte das Gefühl, den Durchbruch geschafft zu haben, indem er LiDAR-Scans auch für die Visualisierung vertikaler Räume nutzbar machte", sagt Caroline Bondier. Bei der Gründung des Unternehmens brachten sie ihre jeweiligen Stärken ein.

"Ich bringe betriebswirtschaftliche Kenntnisse und umfangreiche Erfahrung im Bereich der Modernisierung mit. Alessandro ist der Techniker, der während seiner gesamten beruflichen Laufbahn im Bereich Forschung und Entwicklung tätig war. Als drittes Teammitglied haben wir Michael Williams hinzugezogen, den wir von unserem früheren Arbeitgeber kennen und der das Beste aus beiden Welten vereint." Nachdem ihre Dienstleistung Marktreife erlangt hatte und sie mehrere Pilotprojekte abgeschlossen hatten, wurde das Start-up "Skanio" im April 2025 gegründet.

3D-Bilder aus dem Schacht

Foto: © SkanioFoto: © Skanio

"Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass man bei unserer Messmethode weder in den Schacht klettern muss noch den Aufzug oder die Fahrtreppe länger als jeweils ein paar Minuten außer Betrieb nehmen muss", so Caroline Bondier, Chief Commercial Officer (CCO) bei Skanio. Dadurch werden Geschwindigkeit, Effizienz und Sicherheit der Vermessung erheblich verbessert, und es entstehen weniger Unannehmlichkeiten für den Kunden. Caroline Bondier macht keine detaillierten Angaben zum Messverfahren. "Das ist unser Betriebsgeheimnis."

Der LiDAR-Scan liefert äußerst präzise 3D-Messpunkte, aus denen ein Punktwolkenmodell entsteht. Dieses wird dann "gerendert" – das heißt, alle Koordinatenpunkte auf der X-, Y- und Z-Achse werden in eine 3D-Darstellung oder ein fotorealistisches Bild umgewandelt. "Dadurch erhalten wir ein vollständiges Bild des Schachts, aus dem wir den Aufzug mithilfe der von uns entwickelten Methode auch entfernen können", sagt Caroline Bondier.

Die Ergebnisse werden anschließend modelliert und in einer Bestands-RVT- oder -DWG-Datei gespeichert, sodass sie in Konstruktionsprogrammen wie Autodesk oder AutoCAD bearbeitet und später in ein BIM-Modell übertragen werden können.

Auf Wunsch kann Skanio die Aufzugsvermessungsdaten auch in den Entwicklungsstufen LOD 200 (Schemazeichnung), LOD 300 (Detailentwurf) oder LOD 350 (Bauplan) für ein BIM-Gebäudemodell erstellen. Skanio stellt seinen Kunden alle Messergebnisse auf seiner Plattform zur Verfügung.

Märkte und Kunden

Seit der offiziellen Markteinführung im April 2025 hat Skanio rund 350 Laserscans für kommerzielle Projekte durchgeführt – und laut Caroline Bondier wächst das Interesse rasant. Sie hofft, bis Ende dieses Jahres die Marke von 1.000 Scans zu erreichen.

Skanio hat sich zunächst auf Europa konzentriert, wo Finnland, Frankreich und das Vereinigte Königreich (UK) die wichtigsten Märkte sind. Vor Kurzem wurden die Dienstleistungen von Skanio auch in Australien und den USA eingeführt, und es sind bereits weitere neue Anfragen aus Deutschland und der Schweiz eingegangen. Bislang handelte es sich bei den Kunden hauptsächlich um große Aufzugshersteller.

"In jedem Markt, in dem wir tätig sind, arbeiten wir mit mindestens einem der sechs führenden Unternehmen zusammen", sagt Caroline Bondier. Aber auch für mittelständische Unternehmen ist es an der Zeit, auf den Zug aufzuspringen und die 3D-Vermessung für sich zu entdecken.

Auftritt in Nürnberg

Ausgestattet mit einigen Pilotprojekten und Referenzstandorten machten sich Alessandro Pilone und Michael Williams im Oktober 2025 auf den Weg zur interlift. Ihr Stand am Rande von Halle 3 mutete eher bescheiden an. Doch ihre Botschaft traf ins Schwarze. "Die Tatsache, dass wir auf der Messe ausgestellt haben, hat allen gezeigt: Skanio ist nicht länger nur eine fixe Idee, sondern ein ernstzunehmendes Unternehmen", erinnert sich Caroline Bondier. Seitdem ist es dem Start-up gelungen, seinen Kundenstamm deutlich zu vergrößern. Das spiegelt sich auch in den Einnahmen wider. "Im ersten Quartal dieses Jahres haben wir bereits so viel Umsatz erzielt wie im gesamten letzten Jahr."

Dank der interlift und dem bestehenden Netzwerk von Kollegen aus der Aufzugsbranche gelang es Skanio zudem, neue Märkte zu erschließen. "Das kam für uns völlig überraschend", so Caroline Bondier. "Als junges Unternehmen wollten wir uns zunächst ausschließlich auf Europa konzentrieren, aber wir konnten die attraktiven Angebote für mehrere Vermessungsprojekte aus den USA und Australien einfach nicht ausschlagen."

Dem Start-up kam zudem die Einführung eines neuen Geschäftsmodells zugute. Zu Beginn des Jahres wurden erfolgreiche Tests durchgeführt, um zu zeigen, wie Kunden mithilfe des LiDAR-3D-Geräts selbst scannen können. "Dadurch behalten sie während der gesamten Planungsphase die Kontrolle über ihr eigenes Projekt", betont der CCO. Nach und nach erkennen auch Kunden in Europa diesen Vorteil.

Investoren-Netzwerk

Mit ihrer Idee, LiDAR-3D-Scans für die Modernisierung von Aufzügen und Fahrtreppen zu erstellen, konnten die Gründer von Skanio zunächst eine Privatperson "mit langjähriger Erfahrung in der Fertigungs- und Prozessindustrie" für sich gewinnen. Sein Beitrag in Höhe von 100.000 Euro Anfang 2024 trug dazu bei, Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Im März 2026 floss weiteres Fremdkapital in das Start-up.

An der aktuellen Finanzierungsrunde in Höhe von 500.000 Euro sind mehrere Parteien beteiligt – darunter die finnische Regierung, die die Hälfte des Betrags bereitstellt, sowie die finnische Venture-Capital-Gesellschaft Gorilla Capital, die ein Fünftel beisteuert. Investoren aus der Aufzugsbranche sind bisher nicht dabei. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern. "Das Geschäftsmodell von Skanio basiert auf Vertrauen. Deshalb wollen wir vollkommen neutral bleiben", betont Caroline Bondier.

Ein Teil des neuen Kapitals fließt in Forschung und Entwicklung. Künftig soll eine KI-Funktion auf der Plattform die Analyse des aktuellen Zustands verbessern, indem sie beispielsweise ermittelt, welche Komponenten sich im Schacht oder im Maschinenraum befinden oder welche baulichen Abweichungen und Mängel vorliegen. "Die KI-Funktion steckt noch in den Kinderschuhen, könnte aber eines Tages für das Reparatur- und Wartungsgeschäft interessant werden."


LiDAR Systeme: Die Abkürzung LiDAR steht für "Light Detection and Ranging". Es handelt sich um ein laserbasiertes Verfahren zur Messung von Entfernungen und Geschwindigkeiten. "LiDAR-Systeme messen die Zeit, die das von einem Laser ausgesendete Licht benötigt, um von einem Objekt reflektiert und von einem Sensor erfasst zu werden", erklärt die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (ein Zusammenschluss von 13 Fraunhofer- und 2 Leibniz-Instituten).

Die Reflexionen der Laserstrahlen erzeugen laut dem Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) ein dreidimensionales Bild. Die LiDAR-Technologie wird häufig im Bereich des autonomen Fahrens und in der Robotik eingesetzt.


Weitere Informationen: skanio.co


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