Präzisere Daten aus dem Aufzugsschacht
Geht es nach Sebastian Heduschka, sollte ein Aufmaß mit Zollstock und Lot der Vergangenheit angehören. Er setzt einen 3D-Laserscanner ein, um genauere Daten zu gewinnen und um das digitale Modell in BIM überführen zu können.
VON BERND LORENZ
Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Sebastian Heduschka in der Aufzugsbranche – darunter lange als Montageleiter bei einem Konzern. In dieser Zeit hat er viel erlebt: falsch dimensionierte Rohbauöffnungen der Schachttüren, für die nachträglich Beton herausgestemmt werden musste; abweichend positionierte Deckendurchbrüche, bei denen zusätzliche Lastverteilträger im Maschinenraum notwendig wurden, oder falsch positionierte Ankerschienen, für die später Dübel zum Einsatz kamen.
"All dies zieht Verzögerungen im Bauablauf, höhere Kosten und letztlich Ärger mit dem Kunden nach sich." Eine Frage hat ihn deshalb mit jeder Baustelle zunehmend geplagt: "Mit welcher technischen Lösung lassen sich Geometrien in Aufzugsschächten zuverlässig erfassen?"
Foto: © elevisionXpertsEher zufällig stößt er auf die 3D-Laserscan-Methode. Deren technische Möglichkeiten begeistern ihn so sehr, dass er Kontakt zu einem großen Hersteller – der Firma Leica – aufnimmt. "Für die Anforderungen im Aufzugsbau ist der RTC360 das beste Gerät auf dem Markt", schwärmt Heduschka.
So viel Qualität hat jedoch auch ihren Preis. Für den 3D-Laserscanner und die dazugehörige Software muss er "ein kleines Vermögen" investieren. Bei der Anschaffung hilft ihm ein Bankdarlehen. Nach einer intensiven Einarbeitungsphase mit vielen Leica-Programmschulungen und mehreren Fortbildungen ist er fit genug, um Aufzugsschächte per 3D-Scan vermessen zu können. Anfang 2025 macht er sich selbstständig und gründet in Potsdam die Firma "elevisionXperts".
3D-Scan der Aufzugsanlage
Zu seiner Zielgruppe gehören vor allem Planungsbüros und Aufzugsfirmen aus dem Mittelstand bis hin zu den großen Global Playern, die Aufzüge für den Neubau oder im Zuge von Modernisierungen konzipieren. Für seine Kunden erstellt Sebastian Heduschka verformungsgerechte Schnittansichten. Dabei geht er nach einem genauen Muster vor.
Zunächst platziert er den Scanner und mehrere Referenzpunkte im Schacht. Letztere helfen ihm später dabei, die Scanpositionen zu verknüpfen. Das auf einem Stativ fixierte Messgerät dreht sich horizontal im 360-Grad-Winkel; manchmal auch über Kopf. Dabei nimmt es pro Sekunde bis zu zwei Millionen Messpunkte auf. "Bei den Messungen wechsle ich kreuzförmig meine Scanpositionen. Am Ende verknüpfe ich die einzelnen Scanstandpunkte zu einer einheitlichen Gesamtpunktwolke, die die komplette Anlage zeigt." Daten erfasst der Scanner in der Grube, alle paar Meter im Aufzugsschacht, an den Schachttüren sowie gegebenenfalls im Maschinenraum.
Um eine Standard-Aufzugsanlage mit sechs Haltestellen zu vermessen, benötigt er circa einen halben Arbeitstag vor Ort. Im Büro beginnt die eigentliche Arbeit mit der Aufbereitung der gesammelten Daten. Dafür fällt nochmals die doppelte Arbeitszeit an. "Letztlich haben wir ein digitales Abbild des Aufzugsschachts und seiner Umgebung, welches eine Genauigkeit von bis zu zwei Millimetern aufweist, was manchmal auch notwendig ist."
Häufig kommen Unternehmen erst auf ihn zu, wenn es schon zu spät ist. "In der Ausführungsphase geht es nur noch um Schadensbegrenzung." Deshalb rät er dazu, bereits in der Planungsphase an einen 3D-Scan zu denken. "Das erhöht zwar zum Projektstart die Kosten, aber man erlebt später keine teuren Überraschungen, weil die Türspalten zu klein sind oder der Aufzugsschacht nicht ins Treppenauge passt."
Verschiedene Dateiformate
Sebastian Heduschka kann sein 3D-Aufmaß in verschiedenen Dateiformaten ausgeben. In der Regel verlangen seine Kunden nur eine PDF-Zeichnung, aus der sie die Geometrie der Anlage ablesen können. Neben dem PDF-Format gibt es für die klassische Planung in 2D aber auch eine Planableitung im DWG-Format. Für Firmen, die bereits in 3D mit der Arbeitsmethode "Building Information Modeling" (BIM) arbeiten, werden die Daten als RVT- oder IFC-Datei zur Verfügung gestellt.
Bislang hat Sebastian Heduschka über 60 Projekte in ganz Deutschland per 3D-Laserscan vermessen. Aus seiner Sicht wäre noch viel Luft nach oben. "Ich würde mir wünschen, dass die Aufzugsbranche schnell aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und die Vorteile dieser Technologie und der BIM-Methodik erkennt."
Weitere Informationen: elevisionxperts.de
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