Knut Giesler.

Knut Giesler. (Foto: © Verlagsanstalt Handwerk GmbH)

Drei Fragen an … Knut Giesler

Aktuelles

Von der Ankündigung, dass der finnische Aufzugskonzern Kone seinen deutschen Mitbewerber TK Elevator (TKE) übernehmen wird, ist auch Knut Giesler kalt erwischt worden. Dabei hätte er als Vertreter der Arbeitnehmerseite eigentlich eingeweiht sein müssen.

Im Interview mit dem LIFTjournal bezieht der Bezirksleiter der Industriegewerkschaft (IG) Metall in Nordrhein-Westfalen dazu Stellung.

Wie bewerten Sie es, dass die IG Metall und Sie als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von TKE quasi aus der Zeitung von der Übernahme erfahren haben?
Giesler: Die Art und Weise der Ankündigung haben wir äußerst kritisch bewertet. Weder die betrieblichen Mitbestimmungsgremien noch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wurden vorab informiert. Eine solche Kommunikation über Medien und Öffentlichkeit stellte einen klaren Bruch der vertrauensvollen Zusammenarbeit dar und war aus unserer Sicht ein Angriff auf die Mitbestimmung. Deshalb haben wir unmittelbar eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung eingefordert, um vollständige Transparenz über den weiteren Prozess zu erhalten. Gleichzeitig haben über 3.000 Kolleginnen und Kollegen von TKE vor der Konzernzentrale von TKE in Düsseldorf, Kone in Hannover und in Frankfurt vor den Toren der Investoren demonstriert. Die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen müssen bei einer Entscheidung dieser Tragweite frühzeitig eingebunden werden.

Wie geht es mit dem Zukunftstarifvertrag für die Beschäftigten von TKE und allgemein für die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen bei Kone durch die IG Metall weiter?
Giesler: Mit der zwischen Arbeitnehmerseite und Unternehmensführung vereinbarten Prozessvereinbarung (siehe Seite 52; Anmerkung der Redaktion) konnten wichtige Schutzrechte abgesichert werden. Der Tarifvertrag "Zukunft Elevator" sowie bestehende Mitbestimmungsrechte bleiben bis zum Abschluss des Verkaufsprozesses bestehen und können in dieser Phase nicht infrage gestellt werden. Zudem wurden betriebsbedingte Kündigungen bis mindestens zum Abschluss des Verkaufs ausgeschlossen. Gleichzeitig laufen bereits Gespräche über eine weitergehende Vereinbarung "Zukunft 2.0", mit der Arbeitsplätze, Standorte, Tarifbindung und Mitbestimmung auch für die Zeit nach dem Verkauf langfristig abgesichert werden sollen. Für die IG Metall ist klar: Veränderungen können nur gemeinsam mit den Beschäftigten gestaltet werden – nicht gegen sie.

Es wird davon ausgegangen, dass sich die Übernahme vor allem auf Europa auswirken wird – Stichwort Abspaltung, Schließung oder Zusammenlegung von Standorten. Mit welchen Konsequenzen rechnet die IG Metall?
Giesler: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass aufgrund kartellrechtlicher Vorgaben Strukturmaßnahmen gefordert und umgesetzt werden müssen. Genau deshalb haben wir verbindliche Regeln durchgesetzt. Mögliche Verkäufe oder Umstrukturierungen müssen geordnet, transparent und mit wirtschaftlicher Perspektive im Sinne der Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Einen ungeordneten Ausverkauf wird es nicht geben. Unser Ziel ist es, Arbeitsplätze, Standorte und Mitbestimmung zu sichern. Die Prozessvereinbarung schreibt vor, dass Betriebsräte frühzeitig beteiligt werden und Einfluss auf wesentliche Schritte haben. Gleichzeitig werden wir sehr genau darauf achten, dass es keine Zerschlagung von Unternehmensteilen ohne tragfähige Perspektive und keinen Umbau auf Kosten der Beschäftigten gibt.


Zur Person: Knut Giesler hat in den 1980er-Jahren beim Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer, der 2001 vom Automobilzulieferer Schaeffler übernommen wurde, eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker absolviert. Dort hat er sich von 1991 bis 2004 im Betriebs- und Aufsichtsrat engagiert. Seit 2012 ist der gebürtige Wuppertaler Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen. Der 62-Jährige hat vier Aufsichtsratsmandate, darunter jeweils als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei TKE und thyssenkrupp Steel Europe.

nordrhein-westfalen.igmetall.de

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