Drei Fragen an ... Robert Hild
Zwar ist Robert Hild schon etwas länger als 100 Tage im Amt, aber er ist noch immer ziemlich neu in der Aufzugsbranche. Wir haben die Gelegenheit genutzt und dem Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Aufzüge und Fahrtreppen unsere drei berühmten Fragen gestellt.
Sie sind seit dem 15. Mai 2025 Geschäftsführer des Fachverbands für Aufzüge und Fahrtreppen im VDMA. Was sind Ihre Pläne für die Branche?
Hild: Wenn ich meine Pläne für den Fachverband unter einen Begriff stellen müsste, dann wäre es Sichtbarkeit. Die Aufzugs- und Fahrtreppenbranche ist ein technologischer Enabler für energieeffiziente Gebäude und damit ein wesentlicher Baustein der Transformation des Gebäudesektors. Gleichzeitig sichert sie Barrierefreiheit, Teilhabe und Mobilität in einer alternden Gesellschaft.
Dass unsere Technik zuverlässig funktioniert, wird oft als selbstverständlich wahrgenommen – tatsächlich ist sie das Ergebnis hoher Ingenieurskunst und klarer Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen für Entwicklung, Produktion, Inverkehrbringen und Betrieb müssen wir gemeinsam mit allen relevanten Akteuren der Branche kontinuierlich weiterentwickeln.
Mein Ziel ist es, die technologische Relevanz unserer Branche deutlicher zu machen, ihren gesellschaftlichen Beitrag sichtbar zu positionieren und sie stärker als Lösungsanbieter für Energieeffizienz, Barrierefreiheit und nachhaltige Stadtentwicklung zu etablieren.
Gleichzeitig sind Sie weiterhin Geschäftsführer des Fachverbands Allgemeine Lufttechnik im VDMA. Wie viel Zeit und Energie bleibt Ihnen für den Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen?
Hild: Vor allem: Ein hervorragendes Team in beiden Fachverbänden ist für meine Doppelrolle unabdingbar. Da bin ich sehr froh über die gute Aufstellung in beiden Bereichen.
Natürlich bringt die gleichzeitige Geschäftsführung zweier Fachverbände Koordinationsbedarf mit sich. Auf den ersten Blick sind es unterschiedliche Branchen – inhaltlich gibt es jedoch viele Synergien. In beiden Bereichen geht es zentral um Gebäudetechnik, um Energieeffizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Themen wie das Gebäudeenergiegesetz oder der Gebäudetyp E betreffen Lufttechnik ebenso wie Aufzüge und Fahrtreppen. Diese Überschneidungen ermöglichen einen wertvollen Erfahrungstransfer und Mehrwert für beide Branchen.
Der VDMA hat zudem im Zuge des Wechsels in der Geschäftsführung die technisch-fachlichen Kapazitäten ausgebaut; ein neuer Kollege unterstützt beide Fachverbände. Die Doppelrolle ist anspruchsvoll und erfordert klare Priorisierung, eröffnet aber zugleich die Chance, Schlüsseltechnologien moderner Gebäude stärker zu vernetzen und gemeinsame Positionen wirkungsvoller zu vertreten.
Die Zahl der Firmenübernahmen hat in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen. Der VDMA vertritt sowohl Konzerne als auch den kleinen und mittelständischen Aufzugsbau. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Hild: Die zunehmende Zahl von Firmenübernahmen ist grundsätzlich nachvollziehbar. Große Konzerne bieten Wachstumspotenziale und verfügen häufig über erhebliche Ressourcen für Forschung, Entwicklung und Internationalisierung. Gleichzeitig ist diese Entwicklung auch eine Folge des anhaltenden Fachkräftemangels.
Mir ist jedoch besonders wichtig zu betonen, dass die mittelständische Struktur eine wesentliche Grundlage der Innovationskraft unserer Branche ist. Kleine und mittlere Unternehmen sind oft besonders flexibel, kundennah und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Anforderungen. Konsolidierung darf deshalb nicht zu einer Monokultur führen. Als Verband setzen wir uns für faire Rahmenbedingungen ein – unabhängig von der Unternehmensgröße.
Offene Standards, transparente Normungsprozesse und eine starke Interessenvertretung sollen sicherstellen, dass sowohl Global Player als auch mittelständische Spezialisten ihre Stärken in eine ausgewogene und wettbewerbsfähige Branchenstruktur einbringen können.
Weitere Informationen: Zur Person: Robert Hild ist seit 2012 im VDMA tätig, er hat dort verschiedene Funktionen durchlaufen. Seit 2021 ist der 47-jährige Diplom-Volkswirt Geschäftsführer des Fachverbands Allgemeine Lufttechnik im VDMA – diese Funktion behält er neben seiner Aufgabe als Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Aufzüge und Fahrtreppen.
vdma.eu/de/aufzuege-fahrtreppen
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