LACS-Protokoll bietet Chance auf einen offenen Standard
Die Aufzugsbranche braucht ein gemeinsames, offenes IP-Alarmprotokoll. Der europäische Aufzugverband ELA hat dafür eine wichtige Basis geschaffen.
Doch um eine allgemeine Anwendbarkeit zu ermöglichen, sind mehr Detailtiefe und zusätzliche Funktionen erforderlich. Die Initiative LACS (Lift Alarm Communication Standard) will diese Lücken schließen und ergänzen
Von Joachim Klingler
Die Ausgangslage: Die Notrufkommunikation wandelt sich. Klassische Leitungen verschwinden, IP-basierte Netze sind Standard. In der Praxis hat sich Voice over LTE (VoLTE) als Stand der Technik etabliert. Die Übertragung bekannter Tonprotokolle über diese IP-Audiokanäle funktioniert zuverlässig als Brückentechnologie.
Doch während die Anforderungen steigen, erschweren die unterschiedlichen proprietären Protokolle und die Übertragung von Tönen im Sprachkanal neue Funktionen. Die Zukunft muss "IP-nativ" sein. Nur so lassen sich moderne Sicherheitsmechanismen nutzen und Daten parallel zur Sprache effizient übertragen.
Das Problem: Fehlende Standards schaffen Insellösungen
Aktuell fehlt ein Protokoll, das IP-Technologie nativ nutzt und dabei herstellerübergreifend funktioniert. Die ELA (TELCO Working Group) hat hierfür eine wichtige Grundlage geschaffen: Ein Ansatz basierend auf dem SIP-Standard (bekannt aus VoIP), bei dem Alarmdaten als XML-Nachrichten gesendet werden.
Foto: © Telegärtner Elektronik Das Problem: Die ELA-Definition deckt nur Minimalanforderungen der EN 81-28 (Fern-Notruf) ab. Details bleiben offen. Setzen Hersteller dies nun individuell um, entstehen inkompatible "Dialekte". Ein Gerät von Hersteller A verstünde sich nicht mit der Zentrale von Hersteller B.
Die Lösung: LACS schafft Klarheit
Hier setzt der Lift Alarm Communication Standard (LACS) an. LACS steht nicht in Konkurrenz zur ELA-Definition, sondern ist eine praxisnahe Erweiterung, um Interoperabilität und erweiterte Funktionen zu garantieren. Durch klare Sequenzdiagramme und Musternachrichten wird die Implementierung erleichtert und Missverständnisse werden vermieden.
Zusätzliche Vorteile von LACS im Überblick:
- Erweiterte Diagnose: LACS definiert Meldungen für Störungen, die über den Notruf hinausgehen (z. B. Defekte am Taster oder internen Bus).
- Separater Sprachtest: Da Daten nicht mehr im Sprachband laufen, prüft LACS mit einem definierten Testvorgehen separat, ob die Sprachverbindung zur Zentrale steht.
- Zusätzliche Funktionen: LACS standardisiert auch Zusatzfunktionen wie den Zwei-Sinne-Notruf (textbasiert) oder Kamerabilder. Die Zentrale erkennt automatisch, welche Funktionen unterstützt werden.
Eine offene Initiative
LACS ist ein offener Arbeitsentwurf (Open Source). Neben Telegärtner Elektronik und Iotcomms unterstützen bereits Unternehmen wie Esse-ti, Serv24, Thor Parts und Prysm das Projekt. Ziel ist eine stabile Definition bis April 2026.
Erste Implementierungen laufen bereits, um Feedback aus der Praxis direkt einzuarbeiten. Mittelfristig sollen die Ergebnisse in die ELA-Leitlinien und Normen (wie CLC/TS 50134-9) zurückfließen.
FAQ: Kurz erklärt
Warum wird ein natives IP-Protokoll benötigt? Um langfristig eine sichere Kommunikation nach Stand der Technik zu gewährleisten, wird ein passendes Datenprotokoll parallel zur Sprache benötigt. Außerdem werden dabei Features wie Kameras, textbasierte Kommunikation und detaillierte Diagnose integriert.
Ersetzt LACS die Norm EN 81-28? Nein. LACS ist das technische "Werkzeug", um die Anforderungen der Normen sicher und einheitlich umzusetzen.
Wer kann LACS nutzen? Jeder. Das Protokoll steht unter der freien "CC BY-SA"-Lizenz auf Codeberg zur Verfügung.
Der Autor ist CTO bei Telegärtner Elektronik.
Weitere Informationen: Link zur Spezifikation und Download: codeberg.org/telegaertner-elektronik/LACS-Protocol/
tge-gruppe.de
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