"Wir haben gelernt, Dokumentationen so aufzubereiten, dass sie für Mensch und Maschine gleichermaßen klar sind – und damit unser Unternehmenswissen geschärft."

"Wir haben gelernt, Dokumentationen so aufzubereiten, dass sie für Mensch und Maschine gleichermaßen klar sind – und damit unser Unternehmenswissen geschärft." (Foto: © K-Solutions)

Wie KI den Aufzugsservice beeinflusst

Aktuelles

K-solutions – die IT-Firma des Steuerungsherstellers Kollmorgen – hat einen eigenen Chatbot auf Basis eines großen "Large Language Models" (LLM) entwickelt. Damit sollen die Reaktionszeiten für die Kunden verkürzt werden.

Gleichzeitig soll der Chatbot im Gegensatz zu den üblichen regelbasierten Ansätzen eine technisch fundierte und umfassende Antwort bieten. Welche Erfahrungen das Unternehmen damit gemacht hat und welche Empfehlungen es gibt.

Von Philipp Brüssler

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Die digitale Transformation hat den Aufzugsbau fest im Griff. Doch es ist nicht nur die zunehmende Vernetzung der Anlagen, die von der Branche gefordert wird. Wir erleben heute eine beispiellose Beschleunigung der Entwicklungszyklen – nicht zuletzt, weil moderne KI-Tools bereits in der Forschung und Entwicklung die Schlagzahl massiv erhöhen.

Das Ergebnis: Die technische Dokumentation wächst rasant an und verändert sich in immer kürzeren Abständen. In Kombination mit der steigenden Komplexität der Systeme und dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel entsteht eine Informationsflut, die mit herkömmlichen Methoden kaum noch zu bewältigen ist.

Hier setzt eine neue Generation von Assistenzsystemen an: LLM-basierte Service-Chatbots, die als intelligente Lotsen durch das digitale Wissensdickicht führen.

Mehr als nur ein Chat: Ein Wissens-Hub in Echtzeit

Hohes Risiko 
(z.B: Biometrie, kritische Infrastruktur) ---> strenge Auflagen
 Foto: Graphic: © K-SolutionsHohes Risiko 
(z.B: Biometrie, kritische Infrastruktur) ---> strenge Auflagen
 Foto: Graphic: © K-Solutions

Hinter der freundlichen Chat-Oberfläche steckt eine aufwendige Architektur. Das System agiert wie ein digitaler Kollege, der nie schläft. Dabei greift die Künstliche Intelligenz (KI) auf zwei entscheidende Wissensebenen zu: Während allgemeine Dokumentationen das Fundament bilden, liefert die Echtzeit-Anbindung an spezifische Anlagendaten den entscheidenden Vorsprung.

Sobald der Techniker die Anlage identifiziert, "liest" die KI die exakten Schaltpläne und Verdrahtungslisten genau dieses Aufzugs.

Besonders spannend: Ist die Steuerung online vernetzt, analysiert der Bot direkt den aktuellen Ereignisspeicher. Er sieht also nicht nur, wie der Aufzug theoretisch funktionieren sollte, sondern weiß auch, was ihm gerade fehlt.

Win-Win: Vom Kunden-Self-Service zum internen Power-Tool

Ursprünglich für unsere Kunden und deren Techniker entwickelt, hat sich der Bot längst zu einem unverzichtbaren internen Werkzeug entwickelt. Er fungiert als erste Verteidigungslinie für unseren eigenen technischen Support. Die Vorteile liegen auf der Hand:

• Sofortige Antwortzeit: Der Kunde oder Techniker erhält die Lösung genau in dem Moment, in dem er vor der Anlage steht – ohne Verzögerung.

• Entlastung des Backoffice: Routineanfragen werden automatisiert gelöst, sodass sich unsere Support-Ingenieure auf die wirklich kniffligen Sonderfälle konzentrieren können.

• Qualitätssteigerung: Die Fehlersuche wird präziser, da die KI Zusammenhänge in Tausenden Seiten Dokumentation schneller findet als jeder Mensch.

Der "Spiegel-Effekt": Was wir von der KI über uns lernen

Ein faszinierender Nebeneffekt trat während der intensiven Testphasen zutage: Die KI fungiert als gnadenloser Prüfstein für die Qualität unserer eigenen technischen Dokumentation. Eine KI ist nur so präzise wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Wo der Bot ins Stocken geriet oder Anweisungen missverstand, stießen wir oft auf uneindeutige Formulierungen oder logische Lücken in unseren Handbüchern.

Wir haben gelernt, Dokumentationen so aufzubereiten, dass sie für Mensch und Maschine gleichermaßen klar sind. Der Bot hat uns damit geholfen, unser Unternehmenswissen zu schärfen.

Rechtliche Sicherheit: EU AI Act und Data Act

Innovation braucht einen klaren Rahmen. Wir haben das System konsequent an den Anforderungen des EU AI Acts ausgerichtet. In der Risikoklassifizierung ordnet sich der Bot im Bereich des begrenzten Risikos ein.

Er trifft keine autonomen Sicherheitsentscheidungen, sondern dient als reines Assistenzsystem. Durch permanente Transparenzhinweise weiß der Nutzer jederzeit, dass er mit einer KI kommuniziert und bestätigt das Verständnis über die Funktionsweise vor dem ersten Benutzen.

Fazit: Die Zukunft ist assistiert

Der KI-Service-Bot ist kein Ersatz für den erfahrenen Techniker, sondern sein leistungsstarkes Werkzeug. Er überbrückt die Lücke zwischen komplexer Technik und schnellem Vor-Ort-Service.

Mit der Fähigkeit, komplexe Logikpläne zu "verstehen" und Ereignisdaten in Echtzeit zu interpretieren, steuern wir auf eine Ära zu, in der Ausfallzeiten durch sofort verfügbares Wissen minimiert werden.

Der Autor ist Chief Technical Officer bei K-solutions.

Bauanleitung für einen bot

Wenn Sie einen eigenen Service-Bot aufsetzen wollen:

• Datenhygiene ist das A und O: Eine KI ist kein Zaubermittel, sondern ein Spiegel Ihrer technischen Dokumentation. Nutzen Sie die Einführungsphase für einen "Doku-Check": Was die KI aufgrund von Widersprüchen nicht versteht, führt auch bei Technikern vor Ort zu Fehlern. Saubere Quellen sind das Fundament für präzise Antworten.

• Kontext schafft den Mehrwert: Ein reiner "Handbuch-Chatter" greift zu kurz. Der echte Vorteil kommt erst dann zum Tragen, wenn die KI den spezifischen Kontext der Anlage kennt. Die Verknüpfung mit Live-Daten wie dem Ereignisspeicher verwandelt ein generisches Tool in einen echten Experten-Assistenten.

• Transparenz statt Blindflug: KI-Modelle können assistieren, aber (noch) nicht die finale Verantwortung für sicherheitsrelevante Entscheidungen im Aufzugsbau übernehmen. Integrieren Sie von Anfang an klare Leitplanken und Hinweissysteme. Das stärkt das Vertrauen der Nutzer und stellt sicher, dass die Fachkraft vor Ort immer das letzte Wort behält.


Weitere Informationen: k-solutions.biz

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