Freitag, 24. Januar 2020
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Albert Schenk im Gespräch mit dem LIFTjournal

2019 ist ein besonderes Jahr für ihn: Osma feiert sein 100jähriges Bestehen und er selbst seinen 70. Geburtstag. Albert Schenk erzählt im Interview mit dem LIFTjournal von den privaten und beruflichen Meilensteinen.

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Albert Schenk. (Foto: © Osma)

Sie haben Maschinenbau und Betriebswirtschaft studiert, eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht, Weiterbildungen zum Fotografen, Drucker und EDV-Experten – wie haben Sie das alles geschafft?
Schenk: Die Ausbildungs- und Studienzeit war für mich so etwas wie eine "Druckbetankung", die ich ohne meinen Wissendurst und meine Stressresistenz sicher nicht so erfolgreich gemeistert hätte. Zwölf-Stunden-Tage waren bei mir auch später keine Ausnahme. Aber ich habe meine Arbeit geliebt und liebe sie heute noch! Manchmal ist dabei der Schlaf zu kurz gekommen, aber es war eine traumhaft schöne Zeit und ich bin trotzdem 70 Jahre alt geworden …

HandwerkSie haben schon relativ jung – mit 40 Jahren – die Firma übernommen, aber schon vorher bei Osma erst als Azubi, aber dann auch als Student gearbeitet. Wie war denn die Zusammenarbeit mit ihrem Vater? Was war er für ein Mann?
Schenk: Mein Vater war ein fleißiger, aber kein leidenschaftlicher Geschäftsführer. Er war Offizier, kam aus dem Krieg und hat die Firma mit viel Fleiß aufgebaut. Das Herzblut kam später eher von mir. Und natürlich hatte er einen anderen Führungsstil. Die Mitarbeiter mussten abarbeiten, was sie aufgetragen bekommen hatten. Das ist für mich eine Verschwendung menschlicher Kompetenz. Ein engagierter, motivierter Mitarbeiter muss aus meiner Sicht eigene Ideen einbringen und auch einen kritischen Blick auf die Prozesse in einer Firma werfen können. Meine Ideen sind allerdings nicht alle auf das Wohlwollen meines Vaters gestoßen. Heute ist es schon fast eine Anekdote, dass sich mein Vater jahrelang gegen die Anschaffung eines Faxgerätes gewehrt hat. Ich habe es dann heimlich gekauft und in einer Halle versteckt. Aber gegen etliche Ideen hat er sich nicht gesperrt, ein gutes Beispiel ist das professionelle Marketing, das ich schon damals bei Osma eingeführt habe.

Neben der Technik ist das Marketing – und gerade die Fotografie – ja eine Art Leidenschaft von Ihnen geworden…
Schenk: Sie haben Recht – ich bin vom Herzen ein Techniker, ein technischer Manager, und besitze einige Patente. Aber ich bin auch sehr designorientiert. Am Anfang bin ich durch ganz Deutschland gefahren, um von den vielen Osma-Aufzügen gute Fotos zu machen. Heute haben wir hier ein Bildarchiv mit 300.000 Aufnahmen, privat sind es noch mal über 350.000. Daraus sind nicht nur Prospekte, Broschüren und Bildbände entstanden – auch der VDMA nutzt mein komplettes Fotoarchiv. Dabei liegt mir auch das Aufzug-Design sehr am Herzen. Deshalb bin ich natürlich schon sehr stolz darauf, dass wir 2012 den renommierten "red dot design award" für das Kabinendesign gewonnen haben – übrigens für den Aufzug in einem Berliner Künstlerhotel.

Sie haben es erwähnt, seit 2005 sind Sie auch Vorsitzender des Fachverbands "Aufzüge und Fahrtreppen" im VDMA. Wie sehr liegt ihnen die Branche am Herzen?
Schenk: Wir sind wirklich eine Aufzugfamilie im VDMA, es sind meine Freunde. Aber ich möchte als Vorsitzender auch einen aktiven Einfluss auf den Fachverband ausüben. Dabei habe ich mich stets bemüht, zu integrieren, Netzwerke und Kontakte zu pflegen und Menschen zusammenzuführen. Ich habe mich aber entschieden, dass ich 2021 nicht mehr kandieren werde, um einer jüngeren Generation mit neuen Ideen den Platz einzuräumen, den sie verdient. Aber es wird mir sehr schwerfallen …

HandwerkSie haben über ihre Leidenschaft für die Aufzugtechnik gesprochen. Was waren denn besondere Meilensteine bei Osma für Sie?
Schenk: Die Technik war und ist wirklich eine Herzensangelegenheit für mich. Meilensteine waren zum Beispiel die Einführung des Bestückungsautomaten in der elektronischen Leiterplattenfertigung, die Entwicklung des Thyristorreglers, der 1983 auf den Markt gekommen ist oder die elektronische Türsteuerung "Portonik 2000", die ich zum Teil mitentwickelt habe. Ein Highlight war natürlich unser Antriebskonzept "Futura 3000". Damals hatte KONE den ersten maschinenraumlosen Aufzug auf den Markt gebracht und sich dafür das Patent gesichert. Wir hatten darauf alle keine Antwort. Dann hatte ich die Idee, einen Riemenaufzug zu bauen – wir haben dann den Motor über den Türkämpfer gesetzt und dieser Bereich war schließlich die von uns gesuchte Lücke im KONE-Patent. Der damalige KONE-Chef hat mir übrigens danach zu meiner Erfindung gratuliert.

Ihr Sohn ist seit zehn Jahren Mitglied der Firmenleitung, inzwischen hat er die Verantwortung im Tagesgeschäft. Sie sind aber auch noch geschäftsführender Gesellschafter – wie funktioniert das?
Schenk: Ich bin seit 1967 in der Branche, eine Art Urgestein und mein Leben lang ein Macher gewesen. Deshalb ist es mir schon schwergefallen, die Hauptfirmenleitung abzugeben. Was uns im Übergang aber sehr geholfen hat, ist, dass wir sehr ehrlich miteinander umgegangen sind und im engen Dialog standen. Das ist aber doch genau die Kunst des Älterwerdens – wo hänge ich mich rein und wo lasse ich los? Aber ich weiß, dass ich der alten Generation angehöre, dass neue und frische Ideen zum Zuge kommen müssen, wenn Osma konkurrenzfähig bleiben soll. Ich habe oft genug beobachtet, wie die Senioren neue Entwicklungen ausgebremst oder sogar verhindert haben. Das möchte ich mir und meinem Sohn ersparen.

100 Jahre Osma – eine Aufzugsfamilie

www.osma-aufzuege.de

 

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