Sonntag, 19. Januar 2020
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Azubis finden in sozialen Netzwerken

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen die Betriebe in der Aufzugbranche neue Wege gehen, um Auszubildende zu finden.

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(Foto: © ismagilov / iStock.com)

Heute sind junge Menschen vor allem in sozialen Netzwerken aktiv – wie Pinterest, Instagram oder Facebook. Doch wie lassen sich hier Jugendliche für eine Ausbildung in der Aufzugsbranche begeistern?

Unternehmen erhalten auf die Ausschreibung einer Ausbildungsstelle immer weniger Bewerbungen. Auch in der Aufzugsbranche herrscht Nachwuchsmangel. Die klassische Azubisuche funktioniert nicht mehr, viele Unternehmen suchen nach Lösungen.

Ein ganz neuer Weg, um Auszubildende zu finden, ist die Suche in sozialen Netzwerken – denn diese gehören für viele jungen Menschen mittlerweile zum Alltag. Doch wo lohnt es sich für Unternehmen besonders, auf Azubi-Suche zu gehen? Marktführer unter den sozialen Netzwerken ist nach wie vor Facebook mit 2,4 Milliarden Nutzern weltweit.

Außerdem beliebt – gerade bei jungen Menschen – sind Instagram, Pinterest, YouTube und Tumblr. Wer diese Plattformen im Rahmen seines Ausbildungsmarketings kreativ nutzt, kann bei jungen Menschen Aufmerksamkeit für Ausbildungsplätze im eigenen Unternehmen erzeugen.

Kreatives Ausbildungsmarketing

Da die meisten Social-Media-Kanäle vor allem über Bilder oder Videos funktionieren, bietet sich als Einstieg zum Beispiel ein Foto- oder Videotagebuch an, in dem Azubis ihren Beruf oder das eigene Unternehmen mit allen Facetten vorstellen. Es lassen sich aber auch außergewöhnliche Produkte, tolle Projekte oder lustige Anekdoten in den Mittelpunkt stellen.

Die eigenen Veröffentlichungen sollten allerdings nicht den Eindruck einer Werbemaßnahme vermitteln, sondern vielmehr informativ sein und gleichzeitig unterhalten. Wichtige Zutaten sind deshalb Humor und hin und wieder etwas Selbstironie – beides sorgt bei der Zielgruppe für Sympathie. Dies ist natürlich eine Gratwanderung, die jedes Unternehmen selbst ausloten muss: Die eigene Professionalität oder Kompetenz sollten niemals infrage gestellt werden.

Begrenzte Länge bei Videos

HandwerkWer eigene Videos dreht, sollte bei der Länge nicht übertreiben: Bei einigen Plattformen ist die Laufzeit pro Clip auf 10 bis 60 Sekunden begrenzt. Viel wichtiger ist Kontinuität, sodass regelmäßig neue und interessante Inhalte bereitstehen. Dabei müssen die Fotos oder Videos keinen Hochglanzcharakter haben: In sozialen Netzwerken führt vor allem Authentizität zum Ziel.

Außerdem wichtig: Viele Videos werden unterwegs ohne Ton angeschaut, weil andere Menschen nicht gestört werden sollen. Deshalb kann es sinnvoll sein, entsprechende Untertitel in Videos einzufügen. Um dies zu realisieren, gibt es verschiedene leicht zu bedienende Apps.

Rechtliche Vorgaben beachten

Wer sich dazu entscheidet, in sozialen Medien aktiv zu werden, sollte vorab ein klares Konzept entwickeln, das alle wichtigen Vorgaben abdeckt. Neben den geplanten Zielen und Verantwortlichen im eigenen Unternehmen sollten darin auch alle rechtlichen Vorgaben festgehalten sein, die zu beachten sind.

So müssen im europäischen Wirtschaftsraum unter anderem alle Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingehalten werden. Wichtig ist dabei zum Beispiel, dass Social-Media-Apps keinen Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones oder Tablets erhalten, sodass Kontakte nicht auslesbar sind.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ein zusätzliches Gerät anschaffen, das exklusiv für soziale Medien bereitsteht und nicht zum Speichern personenbezogener Daten genutzt wird.

Zeitfaktor beachten

Das Engagement in sozialen Netzwerken ist zwar grundsätzlich gratis, kostet aber trotzdem etwas – nämlich Zeit. Zum einen, um regelmäßig neue und interessante Inhalte zu produzieren, zum anderen, um mit Nutzern zu interagieren. Denn soziale Netzwerke leben vor allem vom Austausch, vom gegenseitigen "liken" und kommentieren anderer Inhalte.

Wer diese Zeit nicht aufwenden kann oder will, wird in sozialen Netzwerken keine großen Erfolge erzielen. Deshalb macht der Aufbau einer Social-Media-Präsenz vor allem Sinn, wenn regelmäßig neue Auszubildende gesucht werden.

Um von Anfang den richtigen Ton in sozialen Netzwerken zu treffen, sollten schon bei der Ideen-Entwicklung eigene Azubis oder junge Mitarbeiter einbezogen werden. Denn diese kennen sich mit der Kommunikation in sozialen Netzwerken oft sehr gut aus und freuen sich, das eigene Unternehmen in diesem Bereich zu unterstützen.

Um die Bekanntheit der eigenen Kanäle zu erhöhen, sollten diese außerdem intensiv beworben werden, zum Beispiel auf der eigenen Webseite, in Mail-Signaturen oder Werbeanzeigen. Mit der Zeit werden die eigenen sozialen Medien so immer bekannter – und erreichen mehr potenzielle Azubis.

Von Thomas Busch


Ausgewählte soziale Netzwerke im Überblick

Netzwerk   Beschreibung Nutzer weltweit Internet
Facebook   Soziale Plattform zum Teilen von Texten, Fotos und Videos ca. 2,4 Milliarden www.facebook.de
YouTube   Soziale Plattform zum Teilen von Videos ca. 1,9 Milliarden www.youtube.com
Instagram   Soziale Plattform zum Teilen von Fotos und Videos ca. 1 Milliarde www.instagram.com
Tumblr   Blogging-Plattform für Texte, Bilder, Videos und Audiodateien ca. 350 Millionen www.tumblr.com
Pinterest   Soziale Plattform zum Teilen von Fotos ca. 300 Millionen www.pinterest.de

Tabelle: Stand 11.09.2019. Alle Angaben ohne Gewähr.


Checkliste: Azubi-Ansprache in sozialen Medien

1.) Konzept erstellen: Welche Ziele sollen erreicht werden? Und mit welchen Mitteln: Texte, Fotos oder Videos?
2.) Welche sozialen Medien sind dafür am besten geeignet? YouTube eignet sich zum Beispiel besonders für Videos, Pinterest und Instagram für Fotos und Facebook für Videos, Fotos und Texte.
3.) Verantwortungen festlegen: Wer betreut die Social-Media-Kanäle? Wer ist verantwortlich für Texte und Fotos? Wer beantwortet Kommentare und Fragen?
4.) Sprachstil finden: Eigene Texte sollten weder allzu förmlich noch übertrieben jugendlich klingen, sondern locker und authentisch. Allgemein üblich ist bei der Ansprache in sozialen Medien das verbindliche "du".
5.) Image aufbauen: Was ist Ihre Firmenphilosophie? Wie können Sie diese über ihre Postings in sozialen Medien transportieren?
6.) Inhalte entwickeln: Welche Inhalte eignen sich, zum Beispiel Foto-/Videotagebücher von Azubis, besondere Projekte, Interviews oder Einblicke in das eigene Unternehmen?
7.) Protagonisten auswählen: Lassen Sie auf Ihren Social-Media-Kanälen immer wieder Mitarbeiter und vor allem Azubis zu Wort kommen. So bekommen junge Leser Informationen aus erster Hand von Menschen, die sie für besonders glaubwürdig halten.
8.) Längen begrenzen: Die Aufmerksamkeitsspanne im Internet ist meist sehr klein. Deshalb sollten Texte und Videos kurz sein und von Anfang an überzeugen, damit der Nutzer diese nicht wegklickt.
9.) Emotionen wecken: Im Internet werden vor allem Inhalte geteilt und weitergeleitet, die emotional berühren, unterhalten oder einfach lustig sind.
10.) Updates planen: Wie oft und wann sollen künftig neue Inhalte hochgeladen werden? Entwerfen Sie ein Konzept mit kreativen Ideen.
11.) Interaktion starten: Treten Sie in Kontakt mit anderen Nutzern. Kommentieren Sie Texte, Fotos und Videos von anderen Menschen. Beantworten Sie Fragen oder beteiligen Sie sich an fachlichen Diskussionen oder bei Ausbildungsthemen.
12.) Gesetze beachten: Berücksichtigen Sie bei Online-Aktivitäten immer die gesetzlichen Vorgaben der jeweiligen Länder, wie die DSGVO oder das Urheberrecht.

www.vfa-interlift.de

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