Die kompakten, extrem kurz bauenden ROBA-twinstop Bremsen sichern Personenaufzüge zum Beispiel in Büro oder Geschäftsgebäuden. Sie bestehen aus zwei unabhängigen Bremskreisen, die einzeln prüfbar sind. Durch die patentierte Geräuschdämpfung schalten diese Bremsenbaureihen außerordentlich leise.

Die kompakten, extrem kurz bauenden ROBA-twinstop Bremsen sichern Personenaufzüge zum Beispiel in Büro oder Geschäftsgebäuden. Sie bestehen aus zwei unabhängigen Bremskreisen, die einzeln prüfbar sind. Durch die patentierte Geräuschdämpfung schalten diese Bremsenbaureihen außerordentlich leise. (Foto: © mayr Antriebstechnik)

Aufzugsbremsen: Sicherheit kennt keine Kompromisse

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Sicherheitsrelevante Bauteile wie die Aufzugsbremsen müssen höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen. Dennoch spielt aufgrund des intensiven globalen Wettbewerbs in der Aufzugsbranche selbst bei sicherheitsrelevanten Bauteilen immer wieder der Preis eine vorrangige Rolle.

Trotzdem muss eine solide Auswahl für zuverlässige Produkte getroffen werden – denn Sicherheit duldet keine Kompromisse.

Von Alexander Hutler

Bei Aufzugsbremsen wird die richtige Produktauswahl immer schwieriger. Noch vor rund zehn Jahren waren nur wenige Bremsen-Hersteller am Markt aktiv, größtenteils mittelständische Unternehmen mit großem Erfahrungsschatz. Ihre Kompetenz garantierte Qualität und Zuverlässigkeit. Die Globalisierung des Marktes für Aufzugsantriebe, die enorme Wettbewerbsintensität und die damit verbundenen Probleme mit Nachbauten führten allerdings in den vergangenen Jahren auch bei sicherheitskritischen Bauteilen wie den Aufzugsbremsen zu einem enormen Wettbewerbsdruck.

Wo in der Vergangenheit noch ein klares Bekenntnis zu Zuverlässigkeit und bester Qualität in der Branche Konsens war, nennen heute Marktteilnehmer in Gesprächen immer wieder zuerst den Preis als wichtigstes Entscheidungskriterium. Die rasanten Entwicklungen bergen hier jedoch hohes Gefahrenpotenzial. Junge, neue Marktteilnehmer bieten inzwischen Produkte auf dem Weltmarkt günstig an, sind in solchen Verhandlungen also im Vorteil.

Dem steht aber der geringe Erfahrungsschatz dieser Anbieter gegenüber. Sie setzen verstärkt auf die neueste Gearless-Technologie, mit der viele von ihnen aber wenig Erfahrung haben. Doch preisgünstige Bremsen, die Abstriche bei den verwendeten Materialien und der Sicherheit machen müssen, bergen ein unkalkulierbares Risiko.

Bremsen spezifizieren und testen

Foto: © mayr AntriebstechnikFoto: © mayr Antriebstechnik

Die Zusammenarbeit mit großen, global agierenden Aufzugsherstellern zeigt nach wie vor, dass diese Unternehmen verstärkt auf Qualitätskomponenten setzen und sich stark an der europäischen Aufzugsnorm EN 81 orientieren – auch da, wo diese nicht zwingend vorgeschrieben ist. Die führenden Hersteller unternehmen zudem erhebliche Anstrengungen, um die Anforderungen an sicherheitsrelevante Bauteile genaue zu spezifizieren und in aufwendigen Testverfahren zu verifizieren.

Darüber hinaus haben diese Unternehmen aufgrund der tagtäglichen Felderfahrung einen entsprechenden Input vom Markt. Das macht es für sie einfach, die Produkte oder Produktanforderungen ständig weiter zu detaillieren und kritische Punkte mit in den Qualifizierungsprozess aufzunehmen.

Kein Feedback durch Felddaten

Dies lässt sich jedoch nicht in vollem Umfang auf die Zuliefererindustrie übertragen. Kleinere Aufzugsunternehmen und Motorenhersteller erhalten zum Beispiel kein entsprechendes Feedback durch Felddaten. Sie haben nicht die Ressourcen, um ein großes Engineering-Team zu beschäftigen, und arbeiten meist mit einfacheren Mitteln, um eine Bremse zu spezifizieren und zu testen. Sie verfügen auch nicht über die Bandbreite und beliefern oft nur regionale Einsatzgebiete, in denen bestimmte Probleme möglicherweise nicht sehr häufig auftreten.

Benötigt also ein solcher Antriebshersteller zuverlässige Bremsen, so wird er sich an den Punkten orientieren, die ihm bisher bekannt sind. Aber welche Kriterien kann ein Hersteller von Aufzugsmotoren – insbesondere in der Gearless-Technologie – anlegen, um eine zuverlässige Bremse zu finden?

Zertifizierter Qualitätsprozess

Wie im Einkaufsbereich allgemein, sollte auch hier zunächst der mögliche Lieferant genau betrachtet werden. Ein Unternehmen qualifiziert sich nicht allein durch die Tatsache, dass es Bremsen herstellen kann. Entsprechende Fertigungskompetenz und ein zertifizierter Qualitätsprozess sind unverzichtbare Voraussetzungen, genauso wie fundierte Erfahrungen mit Bremsen für Aufzugsantriebe.

Dazu muss das Unternehmen eine große Anzahl an Aufzugsbremsen über viele Jahre auf dem Markt haben. Nur dadurch kann es die Risiken zu kennen und zuverlässige Produkte ausliefern. Denn Prototypentests, bei denen Aufzüge einmal auf ihre Funktionsfähigkeit hin getestet werden, sagen nichts über die Qualität der Bremsen bei großen Stückzahlen aus.

Jede einzelne Bremse muss in der erforderlichen Qualität geliefert werden. Dafür ist entsprechende Testroutine nötig. Denn das Risiko liegt oftmals darin, dass Hersteller mit weniger Erfahrung nicht wissen, was sie nicht wissen. Um dauerhaft die notwendige Sicherheit zu gewährleisten, sind klare Prozesse, umfassende Prüfmöglichkeiten, langjährige Erfahrung und hochqualifizierte Mitarbeiter unverzichtbare Voraussetzungen. Dies kostet Geld, aber nur so wird Sicherheit erreicht.

100-prozentige Rückverfolgbarkeit

Alle mayr-Sicherheitsbremsen unterliegen deshalb einer sorgfältigen Qualitätskontrolle: Dazu gehören qualitätssichernde Maßnahmen während des Konstruktionsprozesses sowie eine umfassende Endprüfung. Vor Auslieferung werden alle Bremsen ausführlich auf Prüfständen getestet und funktionsrelevante Werte dokumentiert.

Eine elektronische Datenbank, in der die Messwerte zusammen mit den dazugehörigen Seriennummern eines Produkts archiviert werden, gewährleistet dabei eine 100-prozentige Rückverfolgbarkeit. Dieselben Qualitätsstandards wie in Deutschland gelten auch für die weiteren Produktionswerke in China und Polen. Das betriebliche Qualitätsmanagementsystem in Zhangjiagang etwa ist wie in Mauerstetten nach ISO 9001 zertifiziert.

Gewissenhafte Lebensdauerauslegung

Bei der Auswahl eines Bremsenlieferanten ist auch die Produktspezifikation und deren Abgleich mit den geforderten Kriterien sehr wichtig. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass die Aufzugsbremsen auch unter kritischen Bedingungen wie zum Beispiel hohen Außentemperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit, die auch im Realeinsatz auftreten können, betrachtet werden.

Außerdem ist wichtig, dass spezifizierte Werte nicht nur im Neuzustand erreicht werden. Vielmehr muss man das Verhalten über die gesamte Lebensdauer bewerten. Die langjährige Erfahrung und unzählige Versuche unserer Entwicklungs- und Versuchsabteilung bilden die Basis für eine gewissenhafte Lebensdauerauslegung unter Berücksichtigung realistischer und verifizierter Bremsmomenttoleranzen. Alle Bremsenbauteile sind sicher dimensioniert und nur aus hochwertigen, bekannten und bewährten Werkstoffen gefertigt. Die Bremsen sind so ausgelegt, dass sie das geforderte Nennmoment unter allen auftretenden Betriebsbedingungen, unabhängig z. B. von Umgebungstemperatur oder Luftfeuchtigkeit, zuverlässig erreichen.

Für kleinere Hersteller empfiehlt es sich, entsprechende Bremsen von namhaften Herstellern in ihren Spezifikationen vorzuschreiben und darauf zu achten, dass diese auch eingesetzt werden. Die Kontrolle der Typenschilder ist eine mögliche Maßnahme, um das sicherzustellen. Damit ist gewährleistet, dass diese wichtigen Komponenten die nötige Zuverlässigkeit bieten – denn Sicherheit duldet keine Kompromisse.

Der Autor ist Key Account Manager in der Task Force Aufzugsbremsen der Firma Mayr Antriebstechnik, eines in Deutschland ansässigen Herstellers von Sicherheitsbremsen.


Weitere Informationen: mayr.de

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