Donnerstag, 20. Juni 2019
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Aufzug 4.0 – Chance und Gefahr für den Mittelstand

Das Internet der Dinge (IoT) macht auch vor dem Aufzug nicht Halt. Erste Lösungen für Vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) etablieren sich am Markt.

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Die Zukunft der mittelständischen Fachbetriebe – vom Spezialisten zum austauschbaren Helfer? (Foto: © usssajaeree - stock.adobe.com)

Zahlreiche neue Markteilnehmer aus der IoT-Branche vermuten ein gewinnträchtiges Betätigungsfeld. Daher müssen sich jetzt die Serviceunternehmen richtig positionieren.

Das Internet der Dinge beschäftigt momentan fast alle Industriezweige. Besonders im Fokus steht dabei die Vorausschauende Instandhaltung von komplexen Maschinen, zu denen selbstverständlich auch Aufzüge gehören.

Widerstand lässt sich gut nachzuvollziehen

Wie so oft, wenn neue Technologien versuchen, in eine etablierte Geschäftspraxis einzudringen, gibt es eine gute Portion Hype und Optimismus auf Seiten der Technologieexperten und Skepsis oder sogar Widerstand von Wartungsorganisationen und erfahrenen Technikern.

Dieser Widerstand lässt sich gut nachzuvollziehen, wird die Entwicklungen am Aufzugmarkt aber nicht aufhalten. Mittel- bis langfristig werden nur die Aufzugservice-Firmen am Markt bestehen, die sich auf die neuen Technologien einstellen und diese in ihr Geschäftsmodell integrieren.

Strategische und langfristige Geschäftsausrichtung

Es ist sicher kein Selbstzweck, dass sich die Konzerne im Aufzugmarkt inzwischen seit Jahren mit der Integration des Internet der Dinge in ihre Produkte und Serviceangebote beschäftigen und dies bereits zu großen Teilen umgesetzt haben. Ein wesentlicher Grund dafür wird ein nüchterner Vergleich des Anteils am Unternehmenserfolg der Geschäftsbereiche Neubau, Modernisierung und Wartung gewesen sein.

Die Wartung und der gesamte Aufzugservice tragen meist überdurchschnittlich zum Unternehmenserfolg bei. Gleichzeitig ist dieser Unternehmenszweig sehr stabil, da es sich um mehrjährige Serviceverträge und damit wiederkehrende und planbare Umsätze handelt.

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Aufzug – nicht Fahrstuhl

Getragen wird dieser Unternehmensbereich durch das umfangreiche Fachwissen, dass sich die Unternehmen und Fachbetriebe erarbeitet haben und kontinuierlich ausbauen. Dieses einzigartige Wissen ist die wesentliche Grundlage für den Unternehmenserfolg und gleichzeitig der beste Schutz gegen Mitbewerber.

Mögen kleine und mittelständische Unternehmen und Konzerne in der Aufzugbranche nicht immer gleiche Interessen verfolgen, so eint sie wahrscheinlich doch Eines: Diese Fachkompetenz für den Aufzugservice gilt es zu bewahren und zu beschützen, um den eigenen Geschäftserfolg nicht zu gefährden.

Im Zeitalter des Internet der Dinge sind daher Predictive-Maintenance-Lösungen eine neue Kernkompetenz, die sich Aufzugservice-Betriebe aneignen und in das eigene Geschäftsmodell integrieren sollten. Die Alternative dazu ist, zuzusehen wie bisher branchenferne IoT-Unternehmen das Aufzugfachwissen in semi-intelligente IT-Lösungen integrieren. Mit ihnen kann jeder die richtigen Arbeitspakete und Austauschkomponenten zur richtigen Zeit bestimmen. Damit wird der ehemals hochqualifizierte Aufzugmonteur zum beliebig austauschbaren Hilfsarbeiter degradiert.

Domänenwissen ist der entscheidende Schlüssel

Ein gesundes Maß an Skepsis bleibt angebracht. Auch wenn einige Werbeaussagen dies implizieren – es ist für komplexe Maschinen, wie es Aufzüge sind, heutzutage noch nicht möglich, einfach Gigabyte an Mess- und Steuerungsdaten in eine Cloud zu übertragen und auf die Magie der künstlichen Intelligenz zu setzen, in der Hoffnung, dass daraus sinnvolle Wartungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Nur wenn das Domänenwissen um Aufzüge, das messtechnische Know-How speziell für Aufzüge und das Wissen von Datenanalysten um Algorithmen und Statistik zusammengebracht werden, wird eine effiziente, wirtschaftliche und vor allen Dingen funktionsfähige Lösung geschaffen. Damit ist das Domänenwissen der Aufzugfachbetriebe der entscheidende Schlüssel für eine neue Technologie und diesen gilt es für das eigene Unternehmen zu nutzen.

Agieren statt stagnieren

Der Mittelstand stellt sich nur zögerlich oder oft gar nicht den Herausforderungen des Aufzugs 4.0. Dies ist sicher der aktuellen Marktsituation und den vollen Auftragsbüchern geschuldet, aber vielleicht auch der Hoffnung, dass sich das Thema von selbst erledigt, wenn man es nur lange genug ignoriert.

Wie gefährlich diese Unterschätzung der neuen Technologien auf bestehende, vermeintlich gut aufgestellte Märkte ist, hat sich in der Vergangenheit leider nur allzu oft gezeigt.

Tim Ebeling
Der Autor ist Geschäftsführer der Henning GmbH & Co. KG

Potentiale erkennen – Chancen wahrnehmen

Die Vorausschauende Instandhaltung verspricht viele Vorteile zu der bisher angewandten Präventiven Instandhaltung, die auf Zeitintervallen und/oder Betriebsstunden-, Tür- und Fahrtenzählern basiert:
• Erhöhung der Aufzugverfügbarkeit
• Verhinderung von voraussehbaren Defekten
• Geplante und kürzere Ausfallzeiten des Aufzuges
• Bessere Ausnutzung des Verschleißvorrates der Komponenten

Dies alles sind Vorteile die sich in günstigeren Unterhaltungskosten widerspiegeln und sowohl Betreibern als auch Wartungsunternehmen einen finanziellen Vorteil verschaffen dürften.

Natürlich senkt dies die Anzahl der benötigten Monteurstunden pro Anlage, aber im Aufzugbau muss kein qualifizierter Aufzugmonteur um seine Existenzgrundlage fürchten, vielmehr herrscht ein eklatanter Mangel an diesen gut ausgebildeten Fachkräften. Somit besteht für die Wartungsunternehmen die Chance mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern mehr Aufzüge instand halten zu können.

 

www.henning-gmbh.de

Bei der Internetadresse der Henning-GmbH ist uns im gedruckten LIFTjournal ein kleiner Fehler passiert. Wir bitten um Entschuldigung.

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