Sonntag, 08. Dezember 2019
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Aufzugschachtentrauchung: Es gibt eine neue Norm!

Aufzugschachtentrauchungssysteme können Leben retten. Die sichere Funktion erfordert die notwendige Sachkunde für Planung, Montage und Instandhaltung. Dabei muss die neue Norm DIN EN 16763 beachtet werden.

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(Grafik: © GRW Rauch- und Wärmeabzugsanlagen e.V.)

Elektrische Aufzugschachtentrauchungssysteme sind seit mehr als 20 Jahren im Aufzugsbereich nicht mehr weg zu denken. Mittlerweile sind einige zehntausend Anlagen verbaut worden. Die Planung wird meist durch den Architekten oder den Aufzugsplaner durchgeführt.

Errichtet und gewartet werden diese wichtigen Brandschutzsysteme meist durch die Aufzugsfirmen vor Ort. Immer wieder stellte sich jedoch die Frage nach der notwendigen "Zulassung" für die Tätigkeiten in diesem Bereich. Die Erfahrung der Sachverständigen hat gezeigt, dass die notwendige Sachkunde der ausführenden Firmen und Personen oft nicht ausreicht.

"Zulassung" gab es bisher nicht

HandwerkGrundsätzlich sind Aufzugschachtentrauchungssysteme unter Berücksichtigung des Brandschutzkonzeptes und der DIN EN 81 zu planen. Die Montage und Instandhaltung des Entrauchungssystems wird unter Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften von Elektrofachkräften nach Herstellervorgaben durchgeführt.

Eine "Zulassung" im Sinne einer Rechtsvorschrift oder allgemeiner Regelung für diese Arbeiten am Brandschutzsystem gab es bisher nicht.

Diese Lücke ist jetzt durch die DIN EN 16763 geschlossen worden. In der Norm "Dienstleistungen für Brandsicherheitsanlagen und Sicherheitsanlagen" werden alle Anforderungen für den Dienstleister der jeweiligen Bearbeitungsphase beschrieben.

Notwendige Kompetenz nachweisen

Aufzugschachtentrauchungssysteme werden von dieser Norm vollständig erfasst. Planer, Errichter und Instandhalter müssen sich diesem Normenwerk stellen, um Haftungsfragen gezielt entgegenzutreten und die notwendige Kompetenz nachzuweisen.

Eine Möglichkeit die Zertifizierung gemäß DIN EN 16763 zu erlangen bietet die RAL-Gütegemeinschaft "GRW Rauch- und Wärmeabzugsanlagen e.V.". In ihre Gütesatzung ist die europäische Norm aktuell übernommen worden. Die zertifizierten Unternehmen erhalten damit in diesem Punkt Rechtssicherheit und sind außerdem berechtigt das Anerkennungslogo zu verwenden. Die ersten Firmen sind bereits zertifiziert.

Kurt Seifert
Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der RAL- Gütegemeinschaft "GRW Rauch- und Wärmeabzugsanlagen e.V." Er war Mitglied des Normenausschusses 16763.

grw-partner.de

Leserkommentare

18.11.2019 05:48:42 Uhr
Kurt Seifert

Aufzugschachtentrauchung: Es gibt eine neue Norm!

Sehr geehrte Redaktion, verehrte Leser, hallo Michael
Erstmal "Danke" für die Ausführungen zu diesem komplexen Thema.
Wie in der Ausführung von Herrn Michael Fröhlcke richtig dargestellt wird, setzt die neue DIN EN 16763 die Europäische Richtlinie 2006/123/EG über „Dienstleistungen im Binnenmarkt“ (DL) um.
Nicht richtig ist jedoch, dass diese Norm -- lediglich als „Leitfaden“ zur Erstellung nationaler Normen -- zu verstehen ist.
Richtig ist, dass sie zusammen mit vorhandenen europäischen oder nationalen Gesetzen und Anwendungsregeln (z.B. Normen, Richtlinien, RAL-Gütesicherungen) angewendet werden soll. Die von Herrn Fröhlcke angesprochene Zertifizierungsebene für Brandmeldeanlagen ist normativ mit der DIN 14675 umgesetzt, kann aber aktuell keinesfalls auf Rauchabzugsanlagen (RWA) übertragen werden. Es ist zu begrüßen, wenn die noch in Arbeit befindliche Norm der 18232-Reihe hoffentlich Ende 2020 veröffentlicht wird und es damit neben den oben genannten Anwendungsregeln eine weitere gibt auf deren Basis Zertifizierungen ausgesprochen werden können.
Aufzugsfirmen, die sich für die RAL-Gütesicherung der Dienstleistung an Aufzugschachtentrauchungssystemen interessieren, erhalten wichtige Informationen unter www.grw-partner.de

Zitieren
18.11.2019 08:58:10 Uhr
Michael Fröhlcke

Aufzugschachtentrauchung: Es gibt eine neue Norm!

Sehr geehrtes Redaktionsteam, verehrte Leser,
es ist erstaunlich, wie viele Beiträge renommierte Fachzeitschriften mittlerweile veröffentlichen, ohne deren Inhalte auf Richtigkeit zu prüfen. Dieser Beitrag ist leider einer davon!
Schon der Titel des Beitrags, „Aufzugschachtentrauchung: Es gibt eine neue Norm!“, ist gewagt und vor allem irreführend. Die angesprochene DIN EN 16763:2017-04 „Dienstleistungen für Brandsicherheitsanlagen und Sicherheitsanlagen“ legt die Mindestanforderungen an Dienstleistungsorganisationen, sowie an die Kompetenz, das Wissen und die Fähigkeiten für die, in den verschiedenen Phasen, von der Planung bis zur Abnahme der Anlagen, betrauten Beschäftigten fest. Sie setzt die Europäische Richtlinie 2006/123/EG über „Dienstleistungen im Binnenmarkt“ (DL) um. In der Norm wird darauf hingewiesen, dass sie zusammen mit vorhandenen europäischen oder nationalen Gesetzen und Anwendungsregeln für die einzelnen Fachgebiete anzuwenden ist. Es heißt: „Sie kann als Grundlage für ein Zertifizierungsverfahren auf dem jeweiligen Dienstleistungsgebiet dienen. Es ist aber nicht vorgesehen, dass sie alleinstehend in einem Zertifizierungsverfahren angewendet wird.“ Die sehr allgemein gehaltenen Mindestanforderungen, dienen lediglich als „Leitfaden“ zur Erstellung nationaler Normen.
Daher hat z.B. der DIN-Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) für den Bereich Brandmeldeanlagen (BMA) und Sprachalarmierungsanlagen (SAA) die Mindestanforderungen der DIN EN 16763 mit konkreten nationalen Anforderungen an die Anwendung, die Produkte und die Dienstleitungen im Fachgebiet erweitert und diese in der Normenreihe DIN 14675 veröffentlicht. Die DIN 14675-2:2018-04 legt u.a. für das Zulassungsverfahren die Anforderungen fest, die Organisationen erfüllen müssen, um sich bei der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) als Zertifizierter von BMA- und SAA-Dienstleitern zuzulassen und gibt prüfungsrelevante Schulungsinhalte vor.
Für das Fachgebiet „Rauch- und Wärmeabzugsanlagen“ (RWA), auf welches sich der Beitrag bezieht, gibt es noch keine nationalen Anwendungsregeln. Diese werden derzeit von dem zuständigen DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) erarbeitet. Ziel ist, bis Ende 2020 die nationale Dienstleistungsnorm für RWA als Teil der Normenreihe DIN 18232 zu veröffentlichen.
Demzufolge gibt es in Deutschland keine Norm, auf deren Basis die RAL-Gütegemeinschaft "GRW Rauch- und Wärmeabzugsanlagen e.V." oder andere Schulungsanbieter, Dienstleiter von RWA-Anlagen, insbesondere von Systemen zur Entrauchung und Lüftung von Aufzugschächten, zertifizieren kann. Herr Seifert benennt im Beitrag weder die akkreditierte Stelle, die der RAL-Gütegemeinschaft eine Zulassung zur Zertifizierung von RWA-Dienstleistern nach DIN EN 16763 erteilt hat, noch die Nummer dieser Zulassung.
Michael Fröhlcke
(u.a. Mitglied im NABau NA005-52-32-AA)

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