Montag, 27. Januar 2020
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100 Jahre Osma – eine Aufzugsfamilie

Es ist das sechstgrößte Aufzugunternehmen Deutschlands, inzwischen ist die vierte Generation am Ruder und es wird 2019 100 Jahre alt: Die Rede ist von der Osma-Aufzüge Albert Schenk GmbH & Co. KG.

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Das Osma Firmengelände in Osnabrück. (Foto: © Osma)

Den Grundstein für Osma legen vor 100 Jahren der Ingenieur Wilhelm Adler und der Schlossermeister Friedrich Dreier, die am 20. Mai 1919 beim Amtsgericht die "Osnabrücker Maschinen- und Aufzugbau Adler & Dreier" eintragen lassen.

Die Doppelspitze funktioniert jedoch nicht: Dreier verlässt das Unternehmen ein Jahr später. Adler gelingt es dann allein, die Firma auf die Erfolgsspur zu bringen, produziert wird sowohl im Bereich Stahlbau als auch in der Sparte Hebewerkzeuge. Doch der Aufschwung stoppt jäh, als Adler 1928 stirbt. Seine Witwe Anna und einige Käufer führen das Unternehmen weiter.

Fünf Jahre später taucht das erste Mal der Name Schenk auf: Albert Schenk I ist gelernter Schlosser und studierter Maschinenbauer. Er steigt 1933 als Teilhaber in das notleidende Unternehmen ein.

Schon bald startet er mit der Produktion von Aufzügen, das Unternehmen beginnt zu prosperieren, Mitarbeiter werden eingestellt, der Betrieb beginnt auch auszubilden. Einer der ersten Lehrlinge ist Albert Schenk II, der Sohn des Inhabers.

Krieg, Kriegsende und Wiederaufbau

HandwerkWährenddessen expandiert der Betrieb weiter, neue, größere Räume werden angemietet. Dabei profitiert das Unternehmen natürlich vom Bauboom in den frühen Jahren des Nationalsozialismus.

Am 2. April 1944 wird das Firmengelände von einer Bombe getroffen, Familie und Betrieb ziehen vorübergehend von Osnabrück nach Dissen am Teutoburger Wald. Nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau. Schon am 5. April 1946 meldet Albert Schenk I die Wiederaufnahme eines Gewerbes an und die Produktion beginnt wieder.

Die prägende Figur des Unternehmens erblickt nur wenig später das Licht der Welt: Am 4. Februar 1949 wird Albert Schenk III geboren. In den kommenden Jahren floriert der Betrieb, die Schenks kaufen 1950 das heutige Firmengelände im Industriegebiet von Osnabrück. Seit ca. 1952 – vermutlich mit dem Umzug auf das neue Firmengelände – wird auch das bekannte Akronym Osma genutzt.

Zurück auf die Erfolgsspur

Albert Schenk IINach einer kurzen Krise bringen Vater und Sohn, Albert Schenk II das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Schindler hilft dabei, die Aufzugsparte auszubauen – auf die sich Osma dann im Lauf der fünfziger Jahre erfolgreich konzentriert. In dieser Zeit beginnt auch der Aufbau der ersten Außenstellen, deren Zahl Albert Schenk II in den folgenden Jahrzehnten massiv ausbaut.

Überschattet wird die erfreuliche Entwicklung durch den Tod von Albert Schenk I. Sein Sohn wird jetzt alleiniger Geschäftsführer. In den sechziger Jahren wird das Gelände erneut erweitert, circa 1970 wird ein Testturm zum Prüfen der eigenen und fremder Komponenten gebaut, der bis heute in Gebrauch ist.

Fotografie wird zur Leidenschaft

1975 kehrt Albert Schenk III nach seinen Ausbildungs- und Studienjahren ins Unternehmen als Prokurist zurück und beginnt, die Verwaltung und den Vertrieb zu modernisieren. Eines seiner Hauptaugenmerke liegt in den kommenden Jahren auf der Einführung eines professionellen Marketings.

HandwerkDafür reicht ihm seine bereits jetzt schon umfassende berufliche und akademische Bildung nicht. Schenk lässt sich bei IBM als Programmierer ausbilden, absolviert Fortbildungen zum Offset-Drucker und Fotografen. Die Fotografie wird zur Leidenschaft: Er reist durch Deutschland, um die schönsten Osma-Aufzüge zu fotografieren.

Mit diesen Fotos kann er nicht nur professionelle Verkaufsunterlagen erstellen, sie werden die Grundlage eines Osma-Bildarchivs, das mittlerweile über 300.000 Aufnahmen verfügt und mit denen er aufwändige Bildbände gestaltet.

Die vierte Osma-Generation…

Albert Schenk III. erweitert Osma kontinuierlich, vergrößert das Firmengelände erneut und baut das Niederlassungsnetz weiter aus. Auch privat stehen Veränderungen an: Ende der siebziger Jahre heiratet er Margarete Küpperfahrenberg, aus der Ehe geht mit Jens-Albert Schenk 1979 die vierte Osma-Generation hervor.

Mitte der achtziger Jahre hat Osma bereits 160 Mitarbeiter, der Umsatz überschreitet die 25 Millionen-Mark-Grenze. Ende der achtziger Jahre zieht sich dann Albert Schenk II aus der aktiven Geschäftsführung aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er stirbt 1992, sein Sohn wird alleiniger Geschäftsführer.

1990 wird der 10.000 Aufzug gebaut, die Zahl der Mitarbeiter steigt bis 1994 auf 300 Beschäftigte. Doch auch der Wettbewerb wird härter – vor allem durch den Preisdruck des Marktes. Osma behauptet sich, in dem es weiter den Schwerpunkt auf eine stark handwerkliche und individuell geprägte Fertigung legt. Die Fertigungstiefe liegt bis heute bei etwa 90 Prozent.

Effizienzsteigerung und Wachstum

Wie sehr Albert Schenk III. nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die Branche am Herzen liegt, zeigt sich, als er 2005 den Vorsitz des VDMA-Fachverbands Aufzüge- und Fahrtreppen übernimmt und bis heute mit großer Leidenschaft führt.

Handwerk2009 hält die vierte Schenk-Generation Einzug ins Unternehmen: Jens-Albert Schenk wird neben seinem Vater zweiter Geschäftsführer und treibt die Themen Effizienzsteigerung und Wachstum voran: "Wir haben zunächst die Unternehmensstrukturen und Prozesse auf den Prüfstand gestellt und mit Hilfe neuer Technologien effizienter ausgerichtet." So soll das Familienunternehmen auch in Zeiten steigenden Preisdrucks weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.

Dabei hat Jens-Albert Schenk die volle Unterstützung seines Vaters: "Natürlich fällt mir das Loslassen schwer. Aber wenn Osma auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben soll, müssen frische, junge Ideen zum Zuge kommen."

Ulrike Lotze

Zeitstrahl Osma
1919 Gründung der "Osnabrücker Maschinen- und Aufzugsbau Adler & Dreier"
1933 Albert Schenk I. übernimmt das Unternehmen und ändert den Firmennamen in "Osnabrücker Maschinen- und Aufzugbau"
1937 Osma wird Mitglied im "Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)"
1944 Das Firmengebäude und die Produktionsanlagen fallen den Bomben zum Opfer
1948 Wiederaufbau der Produktionsstätten durch vier Mitarbeiter und Familienmitglieder
1949 Albert Schenk III. wird am 4. Februar 1949 geboren
1950 Albert Schenk I. kauft das heutige Firmengelände im Industriegebiet von Osnabrück
1951 Die Produktion auf dem neuen Gelände läuft wieder an
1959 Albert Schenk I. stirbt am 8. November
1961 Das Unternehmen liefert den 1.000 Aufzug aus
1968 Osma baut einen Testturm für seine Komponenten
1975 Osma führt die elektronische Datenverarbeitung ein
1976 Osma implementiert die elektrische Aufzugsteuerung
1979 Jens-Albert Schenk wird am 9. Mai 1979 geboren
1992 Albert Schenk II. stirbt am 26. August
1993 Einführung des prozessorientierten Qualitätsmanagement-System nach DIN ISO 9001
1998 Osma etabliert den platzsparenden Aufzugantrieb Futura 3000, der einen maschinenraumlosen Aufzug ermöglicht
2004 Das Unternehmen bringt eine bus-orientierte Mikroprozessorsteuerung auf den Markt
2005 Albert Schenk III wird zum Vorsitzenden des Fachverbands "Aufzüge und Fahrtreppen" im VDMA gewählt
2006 Osma erweitert das Firmengelände und bringt den 20.000 Aufzug auf den Markt
2009 Jens-Albert Schenk wird neben Albert Schenk III. zweiter Geschäftsführer
2012 Osma erhält den "red dot design award" in der Kategorie "product design"
2019 Osma feiert sein 100-jähriges Jubiläum, beschäftigt 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hat deutschlandweit 16 Niederlassungen, mehr als 20.000 Wartungsverträge und erwirtschaftet über 83 Millionen Euro Umsatz

Albert Schenk im Gespräch mit dem LIFTjournal

www.osma-aufzuege.de

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