Montag, 19. November 2018
LIFTjournal Logo

Frauen in der Aufzugsindustrie in Europa

Fünf Jahre in der Aufzugsindustrie in Deutschland führten zu der Idee, sich einmal näher mit dem Thema "Frauen in der Aufzugsindustrie in Europa" zu befassen.

/cache/images/vortragssaal_northampton-ca318325ed4b6faf927e82249c138ca8.
Blick in den männer-dominierten Vortragssaal beim Northampton Symposium 2017. (Foto: © Undine Stricker-Berghoff)

Ein Fragebogen und eine Rundmail brachten erste Antworten und Interviews. Nach sechs Wochen intensiver Recherche im Sommer 2016 waren die Ergebnisse enttäuschend: Fast keiner der europäischen Aufzugsverbände, der sog. "Großen 4"-Herstellerfirmen oder der KMUs waren sich des Themas und seiner Auswirkungen bewusst.

Natürlich halten die wenigen Frauen in der Branche das Thema für sich selber und für ihre Karriere für wichtig. Aber – es ist genauso wichtig für die Zukunft der gesamten Aufzugsindustrie, die schon jetzt intensiv nach mehr qualifiziertem Personal sucht.

Thema "Diversity"

Als eines der ersten Unternehmen in der Branche versuchte sich Schindler am Thema "Diversity". Man gründete einen Diversity Ausschuß mit acht Frauen und sechs Männern, die direkt an den Global Head Corporate Human Resources berichteten. Auch Anacam, einer der italienischen Aufzugsverbände, startete im Oktober 2017 eine Kampagne mit dem Namen "Anacam Pink".

Im September 2017, hat auch die Autorin ihre Initiative WoLIE (Women in the Lift Industry in Europe Initiative) mit einem Vortrag auf dem Lift & Escalator Symposium in Northampton/GB gestartet. Die neue WoLIE-Initiative versammelt alle Frauen, die in der Aufzugsindustrie in Europa und darüber hinaus arbeiten, besonders aus der Technik oder dem Management. Details, inkl. der Anmeldung zum persönlichen, Unternehmens- oder Verbands-Sponsoring, finden sich unter www.WoLIE.eu.

Geschützter Raum

HandwerkDa es nur wenige Frauen in der Branche gibt, bietet WoLIE ihnen einen geschützten Raum, um Informationen und Ideen mit anderen Frauen aus der Branche auszutauschen. WoLIE ist auch offen für Männer, die Frauen in der Aufzugsindustrie unterstützen möchten.

Dies gilt auch für Unternehmen, die z.B. mehr weibliches Personal suchen, oder Verbände, die Diversity- oder Gender-Anliegen unterstützen möchten. Außerdem möchte WoLIE die Aufzugsindustrie auch auf die wenigen Frauen aufmerksam machen, die in der Branche arbeiten.

Keine Statistik über WoLIEs

Die Statistik von Destatis im Oktober 2012 weist aus, dass in Europa mehr Männer 75 Prozent als Frauen 62 Prozent arbeiten. In der Architektur und der Bauindustrie liegt der Prozentsatz der arbeitenden Frauen bei 37 Prozent. Im Management sind ca. 34 Prozent Frauen angekommen. In Teilzeit-Jobs arbeiten 32 Prozent Frauen aber nur neun Prozent Männer, wobei 46 Prozent der Frauen dies auf ihre Familienpflichten zurückführen. Und – Frauen bekommen 16 Prozent weniger Gehalt für ihre Arbeit als Männer.

Bisher gibt es keine Statistik über WoLIEs, deshalb muss ein indirekter Ansatz helfen. Die Angaben auf den Websites der europäischen Aufzugsverbände umfassten im Sommer 2016 101 Aktive, meist ehrenamtliche Vorstände und Vorsitzende von Ausschüssen, darunter 16 Frauen = 16 Prozent.

Aufzugstagungen geben Hinweis

Auch Aufzugstagungen geben einen Hinweis. Bei den Heilbronner Aufzugstagen 2017 waren 327 Teilnehmer, davon 17 Frauen = fünf Prozent. Eine ähnliche Anzahl kam zum Lift Symposium Northampton 2017/GB mit 126 Zuhörern, davon acht Frauen inkl. Mitarbeiterinnen = 16 Prozent.

Im Anschluss an das Symposium hat die Firma Digital Advanced Control mit Sitz in Daventry/Northamptonshire/GB ihr Personal gezählt mit dem Ergebnis: 35 Mitarbeiter, darunter neun Frauen = 26 Prozent. Diese Frauen arbeiten in allen Bereichen von einer Direktorin über drei Vertriebs-/ Buchhaltungs-Mitarbeiterinnen bis zu fünf Damen in der Technik. Deshalb wird die durchschnittliche Anzahl von WoLIEs wohl ungefähr um die 15 Prozent liegen.

Kitas und Elternzeit helfen

"Kümmern Sie sich nicht nur um die Kinder! Bleiben Sie mit Ihrem Job so lange und so viel wie möglich in Verbindung!" sagt Anja Blain, seit 1999 Geschäftsführerin von Blain Hydraulics/Heilbronn. Sie hat Sprachen studiert und arbeitet eng mit ihrem guten Ingenieur-Team zusammen.

In der Firma beschäftigt sie weitere 13 Frauen, manche in der Produktion, aber überwiegend in der Verwaltung. Als Frau in einer Männerwelt zu arbeiten, bringt ihr ab und zu Vorteile. Anja Blain sieht Deutschland als politische Speerspitze der Frauenbewegung. Was hilft, sind z.B. Kitas und die Elternzeit.

Undine Stricker-Berghoff, Dipl.-Ing. (TU) CEng MEI VDI, www.ProEconomy.de, Travemünde

Leserkommentare

nach oben