Sonntag, 18. November 2018
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Widerspruch: Aufzüge sind sicher!

Aufzüge in Deutschland sind das sicherste "Nahverkehrsmittel". Das betont der VDMA Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen und widerspricht damit indirekt dem aktuellen TÜV-Anlagensicherheitsreport.

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(Foto: © admy - stock.adobe.com)

Nur 38,8 Prozent aller Aufzüge waren 2017 völlig mängelfrei – im Jahr zuvor waren es noch 42,49 Prozent. Immerhin 3.500 Aufzüge mussten wegen gefährlicher Mängel sofort stillgelegt werden. Zu diesem Ergebnis war der Anlagensicherheits-Report 2018 gekommen, der vor kurzem vom TÜV-Verband veröffentlicht wurde.

Zahl der schweren Unfälle zurückgegangen

"Unfälle sind zum Glück selten, so dass der Aufzug nach wie vor das sicherste "Nahverkehrsmittel" ist", erklärt dagegen der Fachverband Aufzüge des VDMA. Auch die aktuellen Unfallzahlen der Prüforganisationen und des VDMA für das Jahr 2017 belegten, dass der sicherheitstechnische Zustand der Aufzugsanlagen auf hohem Niveau verharre.

In den vergangenen Jahren sei keine Zunahme von schweren oder tödlichen Nutzerunfällen zu verzeichnen, heißt es in einer Pressemitteilung: "Ganz im Gegenteil: In Relation zum Anlagenbestand, der jedes Jahr um ca. zwei Prozent zunimmt, sind die Zahlen von schweren und tödlichen Unfällen sogar rückläufig."

2017 wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit Aufzügen registriert, betont der VDMA. Auch die Zahl der schweren Unfälle sei 2017 von 30 auf sieben Fälle zurückgegangen. Bei diesen sieben schweren Unfällen habe es sich um Arbeitsunfälle gehandelt, von denen nur vier auf einen Mangel am Aufzug zurückzuführen waren, so die Erhebungen des VDMA Aufzüge und Fahrtreppen.

Sicherheit durch qualifizierte Wartung

Aufzugsanlagen seien sicher, wenn sie in ausreichendem Maße qualifiziert gewartet und instandgehalten werden, betont der Verband. Es gebe jedoch eine Dunkelziffer von ca. 100.000 Aufzugsanlagen, die offenbar nicht gewartet oder geprüft werden, was sowohl vom VDMA als auch den Zugelassenen Überwachungsstellen deutlich kritisiert werde. "Einige Unfälle hätten durch Investitionen in Modernisierung vermieden werden können", so der Verband weiter.

Durch Anlagen, die weder geprüft noch gewartet würden, könne eine "signifikante Gefährdung für Nutzer" entstehen. Die sichere Bereitstellung eines Aufzugs liege allerdings in der gesetzlichen Verantwortung des Betreibers – also den Immobilienbesitzern, Vermietern und Wohnungsverwaltern. Die Prüforganisationen, Aufzugshersteller und die Wartungsunternehmen könnten nur auf diese Missstände hinweisen.

Ob eine Aufzugsanlage geprüft ist, erkenne man – wie beim Auto – an der Prüfplakette, die seit 2014 in jedem Aufzug vorhanden sein muss. Das Überschreiten der Prüffrist könne somit vom Aufzugsnutzer festgestellt und an den zuständigen Betreiber beziehungsweise die zuständige Behörde/Gewerbeaufsicht gemeldet werden.

Hintergrund

In Deutschland verkehren zurzeit rund 750.000 Aufzüge. 640.000 davon dienen der Beförderung von täglich mehreren Millionen Menschen und gehören damit zu den überwachungsbedürftigen Anlagen. Jedes Jahr kommen bundesweit durchschnittlich 20.000 neue Aufzugsanlagen dazu oder ersetzen bestehende ältere Anlagen. Ungefähr die Hälfte des Aufzugsbestands in Deutschland ist mindestens 20 Jahre alt.

"Dies spricht zunächst für die Qualität der Aufzüge und vor allem für die Qualität der Serviceunternehmen, die diese Anlagen auch weiterhin in einem zuverlässigen Zustand halten", erklärt der VDMA. Allerdings entsprächen Anlagen in diesem Alter nicht mehr unbedingt dem heutigen Stand der Technik. Die Sicherheit alter Aufzugsanlagen stehe deshalb ganz oben auf der Agenda des VDMA.

https://auf.vdma.org/

Gefährliche Mängel: 3.500 Aufzüge stillgelegt

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